Suche
  • kontakt@benjamin-brueckner.de
  • Tel.: +49 341 22 31 39 47
Suche Menü

Ruhe und Stille – was ist der Unterschied?

Illustration: Ruhe und Stille - was ist der Unterschied?

Lesen und Schreiben sind stille Tätigkeiten. Wir brauchen eine hohe Konzentration, um die komplexe Verkettung von Buchstaben aufzunehmen bzw. Wörter und ganze Geschichten daraus zu entwickeln. Diese Konzentration erreichen wir jedoch meist nur in einem Zustand der Stille bzw. Ruhe. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen den beiden Begriffen?

Die Ruhe ohne Sturm

Wenn wir uns mit der Ruhe beschäftigen, denken die meisten von uns wohl an Stille. Keine störenden Geräusche, kein Lärm, der uns ablenkt. Doch Ruhe ist weit mehr als die bloße Abwesenheit von Tönen, genau wie Gesundheit mehr ist als die Abwesenheit von Krankheit.

Ruhe ist eine Atmosphäre, in der wir entspannen, zu uns kommen und unsere Energien aufladen können. Das zeigt auch schon die Herkunft des Wortes aus dem Germanischen: rowo, welches sich wiederum vom indogermanischen Wort era ableitet. Und era bedeutet so viel wie „ruhen lassen“. Wir alle brauchen Ruhe, um uns zu regenerieren – so ist auch der Schlaf nichts anderes als Ruhe, währenddessen wir unser Bewusstsein herunterfahren.

Auch im Alltag wünschen sich viele Menschen Ruhe und meinen damit einen Abstand zu einer lauten Welt.

Ruhe und Stille

So wie wir im Äußeren die Ruhe in Form von Stille finden können, so können wir auch Ruhe in uns selbst finden. Tiefe, dauerhafte Ruhe führt zu Gelassenheit. Wir befinden uns dann in einem starken Zustand, in dem wir besonnen mit Schwierigkeiten umgehen können.

„In der Ruhe liegt die Kraft.“

Sprichwörter sind gebündelte Weisheit und auch in diesem Fall trifft es zu. In der Ruhe sammeln wir Kraft. Und das Lesen bzw. Schreiben fällt uns natürlich in einem solch Kraft-spendenden Zustand bedeutend leichter.

Ruhe kann auch ein Zustand der Ausgeglichenheit sein. Wenn wir in uns ruhen, dann kommt das sowohl unserer Umwelt als auch unserem eigenen Gemütszustand zugute. Deshalb ist es wichtig, Ruhephasen einzuplanen, um neue Energien zu tanken.

Bücher zum Thema*

Was ist der Unterschied?

Es besteht eine enge Verquickung von Ruhe und Stille und doch ist es nicht dasselbe. Stille ist völlige Geräuschlosigkeit. Bei Ruhe hingegen kann durchaus ein Hintergrundrauschen existieren. Um Ruhe zu finden, ist eine bestimmte Geräuschkulisse sogar erwünscht (z. B. bei Walgesängen auf CD, einem knisternden Feuer, einem Schlaflied).

Stille kann jedoch der begünstigende Umstand für innere Ruhe sein. Nicht ohne Grund laufen Zen-Meditationen in absoluter Stille ab. Nichts soll den Meditierenden stören. Doch ist diese Stille keineswegs mit Leere zu verwechseln. Mithilfe der Stille können wir Ruhe finden. 

Was wir also suchen, um zur Ruhe zu kommen, ist die Stille und die hat für uns von Geburt an eine lebenswichtige Bedeutung. Oder hätten Sie gewusst, dass sich das Wort stillen von Stille ableitet? Kein Wunder – Säuglinge beruhigen sich schließlich beim Stillen.

Sei still!

Stille ist eng mit Kontemplation verknüpft. Doch auch in der Stille kann Unruhe herrschen, insofern wäre die Stille vor dem Sturm eigentlich ein passenderer Ausdruck als die Ruhe vor dem Sturm. So kann ein Schriftsteller still schreiben, aber innerlich sehr unruhig sein – etwa, weil er an einer aufregenden Geschichte arbeitet.

Der Befehl „Sei still!“ hingegen hat nichts mit Gelassenheit zu tun, doch wir alle kennen diese Aufforderung. Dieser Imperativ führt nicht zu tatsächlicher Stille, denn in diesem Fall wird sie autoritär verordnet – etwa im Klassenzimmer oder in einem Streit.

Fazit

Die beiden Begriffe Ruhe und Stille überschneiden sich zwar in der deutschen Alltagssprache. Dennoch sind sie nicht ein und dasselbe. In der Stille kann es Unruhe geben, aber eine Phase der Ruhe muss nicht zwangsläufig still sein.

Illustration: Maria John Artwork

2 Kommentare Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Hallo Benjamin,

    das hast du sehr schön verständlich und präzise formuiert,
    ich habe gerade schon versucht einen Kommentar abzuschicken.
    Ist der angekommen?
    ich würde diesen ARtikel gerne verwenden, denn ich kann es auf keinen Fall bessser formulieren.
    Ich kann meine Gedanken und Efahrung in deinen Formulierungen gut wiederfinden.
    Besonders Stille vor dem Sturm gefällt mir, obwohl es vielleicht auf Zustand von trügerischer und ignoranter Ruhe/ Stille bezieht. Gelassenheit hat ja auch etwas einem allem sehr wachen Zustand zu tun. na ja aber hier kann man sich bestimmt festfahren.

    Der Artikel würde wenn du einverstanden bist, in einem Handout für 50 Lehrer im Rahmen eines Studientags erscheinen. Es würde viel bewegen helfen, denn dies sind alles Mulitpliaktoren die ständig damit beschäftigt sein müssen, diese Zustände zu unterscheiden und Ruhe ohne Angst herzustellen.
    Damit wäre es ein tragender Beitrag für eine bessere Welt:)

    Ich hoffe du kannst mir kurzfristig rückmeldung geben.

    mehr Infos über uns (mich ) schicke ich dir gerne
    Website (in Überarbeitenung) boogadoo.de
    und auf Facebook unter boogadoo

    Hättest du etwas dagegen wenn ich diesen Artikel auch auf Facebook teile?
    Herzlich rhythmisch Bijan

    Antworten

    • Hallo Bijan,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine anerkennenden Worte. Gern kannst du diesen Beitrag teilen und für das Handout verwenden.

      Das Thema ist wirklich kniffelig und man könnte Tage darüber diskutieren, insbesondere über den von dir angesprochenen Fall der trügerischen Ruhe, die in Geschichten häufig die Grundlage für Spannung ist, wie mir gerade auffällt.

      Selbstverständlich kannst du meinen Beitrag auch über die sozialen Netzwerke teilen, darüber würde ich mich freuen.

      Herzliche Grüße
      Benjamin

      Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.