Inspiration: Aus dem Vollen schöpfen

Jeder Autor will, dass die Inspiration nur so sprudelt. Dann vermeiden wir das gefürchtete leere Blatt Papier und können sofort erste Entwürfe entwickeln. Leider ist es nicht immer so, dass uns die Inspiration einfach beschenkt. Oder vielleicht doch? Im Folgenden möchte ich die erfolgreichsten Techniken vorstellen, mit denen Sie der Inspiration auf die Sprünge helfen können.

1. Brainwriting

Nur Sie und die Tastatur. Ihr Handy ist auf lautlos gestellt. Und nun: Schreiben Sie. Mit oder ohne Idee. Egal ob die Waschmaschine noch ausgeräumt oder die Steuererklärung gemacht werden muss.

Falls der Herd noch an ist, sollten Sie den vor dieser Übung ausschalten. Alles andere kann warten. Schreiben Sie mindestens 10 Minuten lang alles auf, was Ihnen in den Sinn kommt. Nehmen Sie keine Rücksicht auf Rechtschreibung oder Stil. Sie fordern Ihre Inspiration jetzt heraus.

Anfangs wird sich Ihr Verstand womöglich dagegen sträuben und Sie in Ihrem Ausdruck einschränken wollen. Machen Sie einfach weiter. Schon bald kommen Sie in einen Zustand, der vom Psychologieprofessor Mihály Csíkszentmihályi als Flow bezeichnet wird. In diesem Zustand vergessen Sie alles um sich herum und sind eins mit der Aufgabe, die sie gerade erledigen.

Wenn Sie fertig sind, belohnen Sie sich mit einem Stück Schokolade oder was immer Ihnen gut tut. Das hat den Effekt, dass Ihr Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird. Jedes Mal, wenn Sie diese Schreibaufgabe wiederholen, wird sich Ihr Gedächtnis daran erinnern, dass hinterher eine Belohnung winkt. Ihre Inspiration wird es Ihnen danken.

Schwierigkeit: niedrig

2. Mind Maps

Diese Methode ist gut für Menschen geeignet, die Wert auf Sichtbarkeit und Struktur legen. Sie können mehrere Mind Maps für dasselbe Projekt erstellen. Schreiben Sie zum Beispiel in die Mitte eines weißen Blattes das Wort Plot. Folgen Sie Ihrer Inspiration, um den Kernbegriff des Projektes zu finden.

Von dort zweigen Sie dann entsprechende Ober- und Unterkategorien ab. Oder Sie schreiben den Namen der Figur auf und füttern Sie mit Eigenschaften und biografischen Angaben. Ein Beispiel:

Mind Map zum Beitrag: Inspiration: Aus dem Vollen schöpfen
Vorteile von Mind Maps sind, dass sie sich schnell und einfach anlegen lassen und Ihnen dabei helfen, die Übersicht zu behalten. Der Autor läuft weniger Gefahr, sich nach anfänglicher Inspiration in der eigenen Story zu verirren. Mittlerweile gibt es zahlreiche kostenlose Programme, mit denen Sie Mind Maps am PC erstellen können. Ich benutze für diesen Zweck XMind.

Der Nachteil an Mind Maps ist, dass Sie mit deren Erstellung noch keinen Text verfasst haben. Anhand der Schlagwörter wurde zwar eine gute Vorarbeit geleistet, die es nun allerdings umzusetzen gilt.

Schwierigkeit: leicht

3. Die Cluster-Methode

Sehr ähnlich wie Mind Maps funktioniert die Cluster Methode. Sie schreiben in das Zentrum eines Blattes einen Begriff und kombinieren ihn mit verschiedenen Unterbegriffen. Bis dahin ist die Herangehensweise gleich.

Der Unterschied besteht darin, dass Sie keine rein analytische, sorgfältig strukturierte Mindmap mit Kategorien gestalten, sondern Ihre ersten Assoziationen notieren. Sie können auch hier in den Flow kommen und überraschende Ergebnisse erzielen. So bilden Sie Assoziations-Ketten, mit denen Sie im Anschluss gut arbeiten können.

Die Cluster-Methode wird auch in Gruppen benutzt. Und das funktioniert so: Ein Wort steht an der Tafel. Alle Teilnehmer rufen von ihrer Inspiration geleitet Wörter. Ein weiterer Teilnehmer notiert die Ideen. Diese Methode klappt auch als Wanderung: Ping-Pong-artig werfen sich die Teilnehmer Begriffe zu. Ihr Gegenüber schreibt ein Wort auf, das ihm zu diesem Begriff einfällt.

Schwierigkeit: leicht

4. Direkt drauf los

Einer der erfolgreichsten Schriftsteller unserer Zeit pfeift auf Methoden. Stephen King schreibt ohne Konzept und überarbeitet die Entwürfe seiner Inspiration erst hinterher. Zunächst mag diese Vorgehensweise als die einfachste und effektivste erscheinen. Allerdings ist dies stark von der Person abhängig.

Schreibt ein Autor wild drauflos, weil er sich nicht mit wichtigen Themen wie Figurenentwicklung oder Exposé befassen will, kann das mächtig schief gehen. Hat er jedoch genügend Mut und die Bereitschaft, seinen Text im Nachhinein wieder und wieder zu überarbeiten, teilweise sogar jahrelang, ist diese Art zu Schreiben womöglich genau die richtige für ihn.

Ein Beispiel für den Erfolg dieser Strategie ist der britische Autor John Fowles. Er überarbeitete, korrigierte und redigierte seinen Roman The Magus* mehr als 12 Jahre lang, bevor er ihn veröffentlichte. Das Buch wurde ein Welterfolg und gilt als eines der bedeutendsten Werke des 20. Jahrhunderts. Inspiration ist also nicht alles – auch ein eiserner Wille und die Fähigkeiten zur Beharrlichkeit und Selbstreflexion gehören dazu.

Schwierigkeit: mittel-schwer

5. Entspannen Sie sich

Ein Sprichwort besagt: Je mehr du etwas willst, desto unwahrscheinlich ist es, dass du es auch bekommst. Das Problem, das hier angesprochen wird, ist der entstehende Druck durch Ungeduld. Je verkrampfter man an eine Aufgabe herangeht, desto mehr leidet die Qualität. Das Spielerische und letztendlich auch die Inspiration gehen verloren.

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die immer wieder in die „Druckfalle“ schlittern, eignet sich diese buddhistisch anmutende Technik besonders gut.

Suchen Sie wann immer es Ihre Zeit erlaubt Räume der Stille. Setzen Sie sich an einen See und schauen Sie der Sonne beim Funkeln im Wasser zu. Gehen Sie mit einem Freund einen Kaffee trinken. Erlauben Sie sich, Ihr Werk bewusst liegen zu lassen. Vertrauen Sie darauf, dass die Inspiration zur richtigen Zeit kommen wird.

Und genau darin liegt die Schwierigkeit: Damit es mit dem Schreiben wirklich vorangeht, müssen Sie neben den Quellen Ihrer Inspiration Ihr eigenes Tempo kennen und respektieren.

Schwierigkeit: mittel

Fazit

Die vorgestellten Methoden haben sich für viele Autoren bewährt. Finden Sie heraus, welche Arbeitsweise Ihnen am meisten nützt. Denn letztendlich muss die Technik muss zu Ihrer Persönlichkeit passen.

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