Was ist Poesie-Therapie?

Dass Gedichte und Romane Gefühle ins uns wecken, ist bekannt. Aber haben Sie auch gewusst, dass Literatur heilen kann? Das behaupten zumindest Poesie-Therapeuten.

Was ist Poesie-Therapie?

Im deutschsprachigen Raum wurde die Poesie- und Bibliotherapie von dem Psychologen Hilarion Petzold und der Psychotherapeutin Ilse Orth eingeführt. Seit den 1970er Jahren wurde sie als integratives Verfahren stetig weiterentwickelt. Sowohl das Schreiben als auch das Lesen werden in der Poesie-Therapie als heilsame Prozesse verstanden.

Streng genommen gibt es nicht die Poesie-Therapie. Vielmehr sind die Übergänge zwischen kreativem, therapeutischem Schreiben und dem Lesen von Literatur fließend. Nicht nur methodisch, sondern auch inhaltlich unterscheiden sich die Angebote voneinander.

So animieren einige Therapeuten ihre Patienten, experimentelle Texte zu verfassen, während andere die Rezeption von vorhandener Literatur bevorzugen. Beliebt sind in diesem Zusammenhang Biografien – der Patient soll sich mit Menschen identifizieren, die Lebenskrisen gemeistert haben.

Eines ist allen Poesie-Therapien jedoch gemein: sie wollen dem (vorerst) Unaussprechlichen zum Ausdruck verhelfen.

Einsatzmöglichkeiten der Poesie-Therapie

Im Laufe der Jahre hat sich die Poesie-Therapie in Deutschland vor allem im klinischen Bereich etabliert und kommt bei ambulanter sowie stationärer Psychotherapie zum Einsatz. Auch wird sie in der Psychoonkologie und zur Begleitung bei chronischen Krankheiten angewendet.

In den USA und in skandinavischen Ländern ist die Poesie-Therapie weitaus verbreiteter. Als integrative therapeutische Maßnahme wird sie nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in Gefängnissen, Schulen, Alters- und Kinderheimen, Rehabilitationszentren und in Beratungsstellen eingesetzt.

Ziele der Poesie-Therapie

  • Verarbeitung belastender Erlebnisse
  • Lösung emotionaler Blockaden
  • Erlernen von Bewältigungsstrategien
  • Förderung der Kreativität
  • Persönlichkeitsentwicklung

  • Ausbildung zum Poesie-Therapeuten

    Eine klassische mehrjährige Ausbildung zum Poesie-Therapeuten gibt es nicht. Sie kann jedoch in Form einer Weiter- bzw. Fortbildung erlernt werden. Halten Sie sich dabei unbedingt an seriöse Anbieter. Dazu gehören unter anderem:

    In der Regel dauert die Ausbildung zum zertifizierten Poesie-Therapeuten ein Jahr. Eine medizinische Vorbildung ist nicht zwingend notwendig.

    Obwohl die meisten Anbieter keine therapeutische Vorbildung voraussetzen, ist dies unbedingt zu empfehlen. Schließlich wollen Poesie-Therapeuten Menschen mit seelischen Nöten helfen.

    Bücher zum Thema*

    Die Poesie-Therapie richtet sich daher vornehmlich an psychologische Psychotherapeuten, Ärzte mit psychologischer Zusatzqualifikation, Heilpraktiker, Kunst-, Tanz- und Musiktherapeuten und Therapeuten, die eine Ausbildung mit mindestens 2 Jahren Praxiserfahrung genossen haben.

    Wirksamkeit der Poesie-Therapie

    Über die Wirkung der Poesie-Therapie lassen sich nur schwer allgemeine Aussagen treffen. Einige Studien bestätigen jedoch die heilsamen Effekte. So sind Schüler, die über emotional belastende Erlebnisse schreiben, im Durchschnitt weniger aggressiv und weisen eine höhere emotionale Stabilität auf.

    Auch scheint es eine Frage der Persönlichkeit zu sein, inwiefern jemand von einer Poesie-Therapie profitiert. In ihrem Buch Warum Schreiben hilft* sagt die Autorin und Therapeutin Professor med. Silke Heimes dazu:

    “Verschiedene Persönlichkeitsmerkmale scheinen Einfluss auf die Wirksamkeit des Schreibens zu haben. Beispielsweise profitierten unsichere, zurückhaltende Menschen mehr vom Schreiben als offene, freizügige und gut integrierte Menschen oder feindseelig-aggressive mehr als gelassene und selbstreflexive. Ebenso wie unsichere und ambivalente Menschen stärkere Stressreduktion durchs Schreiben erfahren.”

    Was muss ein Therapeut können?

    Gern zu schreiben oder ein begeisterter Leser von Poesie zu sein, genügt nicht. Interessenten müssen eine ernsthafte Bereitschaft und Befähigung zur therapeutischer Arbeit mitbringen. Darüber hinaus sollten sie über eine ausreichende emotionale Stabilität verfügen und sich in andere Menschen hineinversetzen können.

    Poesie-Therapeuten müssen in der Lage sein, dem Patienten durch schwierige Phasen zu helfen – etwa dann, wenn sich verborgene Traumata oder intensive Angstgefühle offenbaren.

    Bei falscher Betreuung kann es zu akuten bzw. chronischen Stimmungsverschlechterungen kommen. Daher sollten nur ausgebildete Personen die Poesie-Therapie durchführen. Bedenken Sie, dass es sich bei der “Ausbildung” zum Poesie-Therapeuten in Wahrheit nur um eine Weiterbildung handelt.

    Fazit

    Poesietherapie ist kein Ersatz für eine Psychotherapie oder eine psychiatrische Behandlung. Vielmehr ist sie ein ergänzendes Verfahren, das weltweit genutzt wird, um Patienten ihren Zugang zu Emotionen zu erleichtern und ihre Kreativität zu fördern. Um als Poesie-Therapeut mit traumatisierten Menschen zu arbeiten, empfiehlt sich daher eine vorhergehende medizinische Fachausbildung. Achten Sie bei der Auswahl Ihrer Fortbildung unbedingt auf einen seriösen Anbieter.

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