Logik in Texten

Ich stelle eine gewagte These auf: Jeder Text muss logisch sein, sonst liest ihn keiner. Damit meine ich nicht, dass alles rational erklärbar sein muss, was in einer Erzählung geschieht. Es kann ruhig richtig “abgespaced” sein. Aber die innere Struktur muss stimmen.

Die interne Logik

Eine Geschichte muss glaubhaft sein. Mit “glaubhaft” meine ich nicht “wahr”, sondern überzeugend – Handlung, Figuren, Zeitform eingeschlossen. Andernfalls wird der Leser sich über den verschwendeten Vorschuss an Vertrauen ärgern.

Denn genau das tun Leser: Sie geben Autoren einen Vertrauens-Vorschuss. Leser investieren Zeit und Aufmerksamkeit in einen Text. Dabei wissen sie nicht, ob sich die Investition lohnt, sie können es gar nicht wissen, sondern vertrauen einfach darauf.

Die Motivation dafür kann ganz unterschiedlich sein: Zum Beispiel folgen Sie einer Empfehlung oder es sind treue Stammleser. Den größten Vertrauensbonus genießen Autoren, wenn Sie dem Leser völlig unbekannt sind und dieser sich trotzdem mit Ihren Texten auseinander setzt.

Genres sind übrigens keine Ausrede – ein Gesetzestext muss genauso logisch nachvollziehbar sein wie eine Kurzgeschichte.

Gilt das auch bei Fantasy?

Ehrlich gesagt bin ich kein Fantasy-Freund und werde mit dieser Aussage wahrscheinlich einige meiner Leser vergraulen, aber so ist es nun einmal. Ich kann mit Elfen, Feen, Drachenlords etc. nichts anfangen. Mich interessieren Geschichten, die in einer Welt spielen, die unserer Realität möglichst nahe kommt.

Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass auch eine Fantasy-Welt ihren Prinzipien treu bleiben muss, damit sie glaubhaft bleibt. Tolkiens Der Herr der Ringe* ist ein gutes Beispiel dafür – die Hobbits, Elben, Zwerge etc. bewegen sich im Rahmen der Möglichkeiten, die er Ihnen gegeben hat – sie interagieren und entwickeln sich zwar in einer fiktiven Welt, doch immer nachvollziehbar für den Leser.

Ausnahmefälle

In Romanen wie Arschfahl klebte der Mond am Fenster…* spielt Autor Helge Schneider mit unserer Erwartung an die Logik in einer Geschichte. Da kommt es auch mal vor, dass Kommissar Schneider ein Dreieck auf den Boden einer Gefängniszelle zeichnet und sich durch einen Sprung daraus befreit – und das, obwohl dem Kommissar zu keinem Zeitpunkt magische Fähigkeiten zugesprochen werden.

Derlei Absurditäten ziehen sich durch die gesamte Romanreihe. Das ist Helge Schneiders Stil – er funktioniert, weil er absichtlich mit der Logik bricht. Andernfalls würden wir den Eindruck gewinnen, dass dem Schriftsteller seine eigene Geschichte entglitten ist und er sie verzweifelt mit unglaubwürdigen Kniffen zu retten versucht – meistens entsteht dabei ziemlicher Schund.

Fazit

Logik ist ein Maßstab, der leider oft außer Acht gelassen wird. Dabei sollte jeder Text auf seine innere Logik hin überprüft werden – sonst wenden sich die Leser als logische Konsequenz enttäuscht ab.

Wie ist Ihre Haltung zu Logik in Texten?

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