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Limitation: Bin ich, was ich tue?

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Sie sind auf einer Party, lernen jemanden kennen und die Person fragt Sie:

„Und was machst du so?“

Wahrscheinlich werden Sie mit Ihrem Job antworten. Klar, Ihr Gegenüber interessiert wahrscheinlich nicht, ob Sie sich am Sonntag-Abend eine Badewanne einlassen oder schon vorher beim Tatort eingeschlafen sind.

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Und höchstwahrscheinlich wird Ihre Antwort in etwa so beginnen:

„Ich bin …“

Ist doch logisch, Sie sind Journalist, Installateur, Ingenieur, Verkäufer etc. Aber sind Sie so auf die Welt gekommen? Wir reden zwar vom „geborenen“ Talent, doch uns allen ist klar, dass wir irgendwann einen beruflichen Weg eingeschlagen haben.

Die Gefahr der Limitation

Jedes Mal, wenn Sie einen Satz mit „Ich bin“ beginnen, sollten Sie innehalten. Denn ein Ich bin ist sowohl inkludierend als auch exkludierend, sprich: Wenn Sie jenes sind, dann sind Sie alles andere nicht. „Ich bin Architekt“ meint dann, Sie sind das und nichts anderes. Aber sind Sie nicht auch Partner, Sohn/Tochter, Elternteil und vor allen Dingen Mensch?

Ausprobieren und wachsen

Unsere Gesellschaft ist auf Perfektionismus gepolt – höher, schneller, weiter. Sofortige und unmittelbare Verfügbarkeit von Waren und Dienstleistungen wird vorausgesetzt. Wir bekommen Wutanfälle, wenn das WiFi ausfällt und ärgern uns über Radfahrer, die zu dicht auffahren. Zumindest sind das zwei meiner roten Tücher. 😉

Für Entwicklung bleibt wenig Spielraum. Dabei ist es elementar für uns Menschen, Dinge auszuprobieren, die Welt spielerisch und unbefangen zu erkunden. Doch das wird nur den Kindern erlaubt, sofern ihre Entdeckerlust nicht unter Sprachkursen und Musikstunden begraben bleibt.

(Fast) keine Limits mehr

Im Laufe der Jahre habe ich mich dazu entschieden, mich so wenig wie möglich zu limitieren. Ich arbeite gern als Autor, Texter, Redakteur, Blogger, Sprecher und Berater. Ich liebe es, mich in neue Bereiche wie Webdesign einzuarbeiten. Und mir weitgehend autodidaktisch immer mehr Fähigkeiten anzueignen.

Das stößt bei manchem Zeitgenossen auf Skepsis. Weil man ja nur in einem Bereich wirklich gut sein kann. Ich halte das für Unsinn. Jeder Mensch ist einzigartig in seinen Anlagen, Fähigkeiten und Interessen. Und häufig habe ich erlebt, dass mich bestimmte Tätigkeiten förmlich angezogen haben, es ein Bedürfnis wurde, mehr und mehr dort hineinzuwachsen.

Der einzig einschränkende Faktor ist die Zeit, die wir uns alle gut einteilen müssen. Denn die Entwicklung jeder Fähigkeit verlangt Übung, Geduld und Lernbereitschaft. Sehen Sie sich mal meine ersten Experimente für narando an:

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Erster Versuch eines Tonstudios

So sah mein erstes „Tonstudio“ aus. Zusammengeschustert? Aber sowas von! Und trotzdem hat es seinen Zweck ausgezeichnet erfüllt und störenden Hall gedämpft. Die Anleitung dafür habe ich übrigens beim Upload Magazin gefunden. Ein wenig schallisolierenden Schaumstoff in eine Box geklebt und fertig ist das DIY-Studio.

Kein Hexenwerk, aber unheimlich effektiv. Da die Mikrofonspinne nicht mehr reingepasst hat, musste der Poppschutz eben irgendwie obendrauf befestigt werden. Mit ein wenig Kreativität geht alles!

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Zweiter Versuch: Manchmal ist weniger mehr

Später habe ich festgestellt, dass die Schallschutzbox nicht zwingend notwendig ist, die Qualität der Audio-Aufnahmen ist auch so gut. Sie reicht selbstverständlich nicht an ein professionelles Tonstudio heran, aber wer hat das schon zu Hause? Und für jeden Podcast solch ein Studio zu mieten, wird ziemlich teuer.

Jedes Ziel in greifbarer Nähe?

Wir können nicht all unsere Ziele erreichen. Dafür ist das Leben, sind wir viel zu dynamisch. Wünsche und Vorhaben ändern sich, genau wie die Umstände. Was uns heute noch begehrenswert erscheint, kann in einer Woche schon uninteressant sein.

Neue Tech-Gadgets dagegen versprechen den schnellen Kick des Besonderen, sie sind der Inbegriff der Konsumgesellschaft. Und sogenannte Early Adopter ihre Jünger, deren Verlangen nach Neuem unstillbar bleibt.

Tipp: Lesen Sie auch den Beitrag: Warum wir nicht alles erreichen können

Wenn wir ein Ziel verfolgen, brauchen wir dafür vor allem zwei Ressourcen: Zeit und Energie. Je höher die Ziele, desto wahrscheinlicher ist es, dass es dauert, bis Sie diese erreichen.

Sich nicht zu limitieren, bedeutet daher nicht, alles erreichen zu können, wie es so mancher Coach verkündet. Sondern sich nicht selbst in Schubladen zu stecken. Sich an Projekten zu versuchen, die Ihrem Innersten entspringen.

Die Identifikation mit der Arbeit

Spätestens seit der Industrialisierung werden Arbeit und Freizeit voneinander getrennt. Arbeiter gingen in die Fabrik und kehrten abends zurück nach Hause. Verschärft hat sich diese Trennung durch den Status des Angestellten, der nicht mehr mit Maschinen hantiert, sondern im Büro tätig ist.

Schon Luther widmete sich dem Konzept der ‚Berufung‘. Die Bewertung der Arbeit als göttlicher Auftrag ist gewaltig. Und hat sich bis in unsere moderne Zeit gehalten. Für viele Menschen wird die Arbeit zu einer Ersatzreligion. Darüber freuen sich natürlich auch Unternehmen, welche um den psychologischen Wert der Arbeit wissen.

Mehr als nur Geld verdienen

Arbeit hat für viele von uns eine enorme Bedeutung, die meist unabhängig von religiösen Motiven ist. Diese Bedeutung kann sogar dazu führen, dass der komplette Lebensinhalt mit der Arbeit steht und fällt. Der wahrgenommene Selbstwert wird dann an die eigenen Leistungen geknüpft. Eine höchst wackelige Basis.

Denn so lange die Arbeit erfüllt und Spaß macht, lässt sich ein mangelndes Selbstwertgefühl mal mehr mal weniger kompensieren. Doch was, wenn man berufsunfähig wird oder in Rente geht? Nicht wenige fallen durch Krankheit oder Pensionierung in ein tiefes Loch.

Die Befreiung von Limitation ist daher nicht nur im beruflichen Bereich zu verstehen. Sie kann sich auch auf die Partnerschaft und die Unternehmungslust ausdehnen. Wagen Sie etwas Verrücktes, riskieren Sie einen Fallschirmsprung oder die Reise in ein unbekanntes Land.

Probieren Sie exotische Speisen aus, gehen Sie in den neuen Film, ohne sich vorab zu informieren. Sie werden feststellen, dass das Leben mit ein wenig Mut voller Entdeckungsmöglichkeiten steckt.

Die Neugier bewahren


Der Neurobiologe Professor Dr. Gerald Hüther kommt in einem Gespräch mit Veit Lindau zu folgender, interessanter Feststellung:

„Ein gesellschaftliches System, was sich dadurch aufrechterhält und dem Umstand seine Stabilität verdankt, dass sehr viele Menschen herumlaufen, die sehr viele Dinge brauchen, und auch kaufen wollen, und auch konsumieren wollen. Ein solches gesellschaftliches System kann nicht so sehr viel anfangen mit Menschen, die wissen, wofür sie da sind und was sie wollen und was sie nicht wollen.“

Hüther bringt eine Wahrheit präzise auf den Punkt: Die Konsumgesellschaft hat kein Interesse daran, kreative Prozesse bei Individuen zu fördern. Wir sollen vor allem eines: kaufen. Und das Feld für einige wenige Unternehmen mit großem Einfluss räumen.

Es ließe sich auch sagen:

Limitation ist in unserer Gesellschaft verankert. 

Das humanistische Bildungsideal hat im Neoliberalismus keinen Platz. Der weltmännische Anstrich dieser politischen und wirtschaftlichen Haltung soll die dahinterstehende Konstante übertünchen, dass wir von der Pike auf zu Arbeitnehmern und Angestellten erzogen werden. Unternehmertum kommt bis auf einige Ausnahmen wie das Projekt Unternehmensgründung der Schule Ruhland nicht in den Lehrplänen vor.

Professor Hüther hat einen denkbar einfachen Tipp, der das Problem der Limitation löst. Es geht um eine neugierige Sichtweise:

„Ich bin halt einer, der das ganze Leben irrsinnig neugierig geblieben ist.“

Neugier macht den Blick frei und verhindert Scheuklappendenken. Je eher wir zum Glauben neigen, bereits alles zu wissen, desto höher ist die Gefahr, dass wir Vorurteile oder gar Ressentiments entwickeln. Neugier wirkt dagegen wie ein Antidot, weil sie die Haltung voraussetzt, dass wir etwas Neues lernen und entdecken können.

Fazit

Wenn Sie sich aus Ihrer eigenen Limitation befreien möchten, dann werden Sie neugierig. Das Leben ist eine Reise, deren Verlauf Sie maßgeblich mitbestimmen. Wer diese Reise als Einladung versteht, zu wachsen, der wird sich automatisch aus der Komfortzone der Limitation befreien. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei!

4 Kommentare Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Lieber Benjamin,

    das war eine ganz wundervolle Inspiration für diesen Samstag. Ich danke dir! 🙂

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  2. Lieber Benjamin,

    danke für diesen Beitrag und den Aufruf für weniger Limitation. Ich habe mich in letzter Zeit auch mit dem Thema Identität beschäftigt, ich bin nämlich momentan Rucksackreisende, aber ich blogge eben auch und bin laut unbounce Marketing-Expertin…. Ohne Beruf ist die Frage „Was bist du?“ in der Tat nicht so leicht zu beantworten, ich bin nämlich vielseitig engagiert und interessiert.

    In anderen Ländern identifiziert man sich übrigens viel mehr über die Familie oder den Wohnort, als über den Beruf. Hier in Mexiko werde ich zum Beispiel immer gefragt, ob ich verheiratet bin und nicht was ich beruflich mache.

    Liebe Grüsse aus dem sommerlichen Yucatán, Alena

    Antworten

    • Liebe Alena,

      danke für deinen spannenden Einblick in andere Kulturen. Können die anderen Identifikationen, zum Beispiel mit der Familie oder dem Wohnort, auch zu Limitationen führen?

      Es ist ja sogar in Deutschland zum Teil so, dass „Leute vom Dorf“ in bestimmten Kreisen anders gesehen werden als der „Großstädter“. Da gibt es meines Erachtens auch Studien zur strukturellen Diskriminierung.

      Liebe Grüße aus Leipzig nach Yucatán

      Benjamin

      Antworten

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