Lesetipp: Cry Baby (Gillian Flynn)

Mit Gone Girl* schaffte es die US-Schriftstellerin Gillian Flynn an die Spitze der Bestseller-Listen. Doch auch ihr Debutroman Cry Baby – Scharfe Schnitte* kann sich sehen lassen.

Inhalt

Nachdem Camille Preaker es geschafft hat, ihrer unheimlichen Heimat Wind Gap zu entfliehen, arbeitet sie als Journalistin in Chicago. Doch eine brisante Story bringt die junge Frau wieder an den Ort ihrer Kindheit zurück: Ein Mörder soll umgehen. Obwohl sich alles in ihr dagegen sträubt, zieht Camille vorübergehend bei ihrer Mutter in Wind Gap ein, um die Gerüchten zu erforschen.

Ein starkes Debut

Cry Baby handelt von Schnitzern und hat natürlich, wie es sich für einen anständigen Debutroman gehört, selbst einige. Da wären zum Beispiel die sehr ausführlichen Beschreibungen der dörflichen Umgebung. Oder die arg umfassend geratene Charakterisierung der Familie Preaker. Doch Gillian Flynn hat Spaß an dem, was sie schreibt, und so stören diese kleinen Holperer das Lesevergnügen nicht.

Tipp: Lesen Sie jetzt auch das Interview mit der deutschen Übersetzerin Susanne Goga!

Cry Baby ist kein Psychothriller im engen Sinne, sondern das Psychogramm einer zerrütteten Familie. Die klassische Erzählung vom Kampf mit den inneren Dämonen verlagert Flynn geschickt nach außen. Ständig geht es um Geheimnisse, Lügen, Intrigen. Die Bewohner von Wind Gap verhalten sich äußerst merkwürdig und auch die Morde sind von schockierender Brutalität.

Wie innen, so noch deutlicher außen

Der Roman spielt ständig mit dem Verhältnis von Innen- und Außenwelt. Camille ritzt sich Wörter in die Haut, die aus ihrem Inneren kommen, sie werden außen sichtbar. Das Innere der Familie Preaker kehrt sich langsam nach außen und führt Camille zurück in ihr Innenleben. Cry Baby ist wie eine Waage, die nie richtig austariert wurde. 

Umso verzweifelter kämpft Camille ihr Leben lang um ein Gleichgewicht, doch vergebens: Zu tief sitzen die Traumata der Vergangenheit, als dass sie ihnen entkommen könnte. Mehr werde ich an dieser Stelle nicht verraten, nur soviel: Camille deckt ein Geheimnis auf, das ihr selbst den Atem raubt.

Flynns Prototyp

Ganz klar, dieser Roman ist nicht so rund wie Gone Girl. Aber gerade darin liegt sein authentischer Charme. Flynn schreibt mit einem wunderbar eleganten Stil, und wer ihre Bücher aufmerksam liest, kann die Entwicklung der gereiften Schriftstellerin deutlich sehen. Cry Baby ist nicht ungeschickt, nur etwas holprig, aber schneidet sich scharf ins Gedächtnis.

FLYNN, GILLIAN: Cry Baby – Scharfe Schnitte. Roman, FISCHER Scherz, Frankfurt 2014.Übersetzt aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg, 332 S.,9,99 €

Autoreninfo

Gillian Flynn ist eine US-amerikanische Schriftstellerin, die mit ihrem Psycho-Thriller Gone Girl für Furore sorgte. Der Roman wurde 2014 mit Ben Affleck und Rosamunde Pike in den Hauptrollen verfilmt. In Flynns Werken spielt ihre Heimat Missouri eine tragende Rolle. Vor ihren Buch-Erfolgen arbeitete Flynn als Kritikerin für die Entertainment Weekly.

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