„Bei Kindern die Lust fürs Lesen wecken“: Autorin Diana Bergmann über ihre Arbeit

Dr. Diana Bergmann ist eine wahre Frankreich-Expertin: Neun Jahre hat sie in einem der schönsten Länder gearbeitet, bis sie nach Leipzig umzog, um sich voll und ganz dem Schreiben, Lektorieren und Übersetzen zu widmen. Parallel dazu arbeitet sie an einem Ratgeber für angehende Autoren.

Du hast in einem Verlag als wissenschaftliche Lektorin gearbeitet. Welche Anforderungen werden da an ein Manuskript gestellt?

Während meiner Arbeit im Verlag habe ich oft Sammelbände betreut, das heißt mehrere Autoren liefern zu einem fest umrissenen Thema Aufsätze und Artikel. Die Manuskripte müssen dabei den wissenschaftlichen Standards ihrer jeweiligen Disziplin entsprechen. Bei Sammelbänden besteht die Schwierigkeit darin, die Aufsätze in ihrer Unterschiedlichkeit in einem Buch zu vereinen: Passt das Manuskript thematisch zum Band oder hat der Autor bzw. die Autorin am Thema vorbeigeschrieben? In welcher Reihenfolge werden die Artikel im Buch erscheinen? Wie kann die Zitierweise, Quellenangabe oder das Register über alle Aufsätze hinweg konsequent und einheitlich gestaltet werden? Wo sind eventuell Kürzungen notwendig?

Bei wissenschaftlichen Publikationen geht es nicht in erster Linie um gute Verkaufszahlen, wie dies bei Belletristik der Fall ist.

Trotzdem sollte in der Fachwelt ein Interesse für das Thema vorhanden sein. Die Auflagen bleiben meist gering, bei wenigen hundert oder tausend Exemplaren. Aber auch hier sind Bestseller möglich: Eine Monografie, die wir im Verlag veröffentlicht hatten, wurde innerhalb kürzester Zeit dreimal neu verlegt. Doch das bleibt eher die Ausnahme.

Du schreibst auch Kinderbücher. Zieht es dich mehr zur Erwachsenen- oder zur Jugendliteratur?

Die Kinder- und Jugendliteratur liegt mir eindeutig am Herzen. Man kann und muss viel mit Sprache und Themen jonglieren, denn jede Altersgruppe hat ihre ganz eigene Art der Kommunikation und des Verständnisses für Sachverhalte. Dreijährige sprechen in viel kürzeren Sätzen als Sechsjährige und Jugendliche haben ihre eigene Sprache, eigene Wörter, die ständig in Bewegung sind und sich verändern.  

Ehrenamtlich liest du in Leipzig. Was ist deine Motivation und wen erreichst du damit?

Wenn ich den Kindern ein neues Buch vorlese, ist es toll, die Freude in ihren Augen zu sehen, dieses Buch zu entdecken, die Geschichte, die sich darin verbirgt.

Ich möchte bei Kindern die Lust fürs Lesen wecken, denn ich bin der Meinung, dass wir durch Bücher die Welt entdecken können, ob es unsere innere oder die äußere Welt ist. Durch das Lesen wird nicht nur das sprachliche Ausdrucksvermögen gestärkt, sondern auch die Kreativität. In vielen Familien gehört Vorlesen nicht zum Alltag, obwohl diese Aktivität viele Vorteile hat. Es schafft Gemeinschaft und Vertrautheit. Derzeit lese ich regelmäßig in einem Kindergarten, aber ich habe auch begonnen, mit Grundschulkindern zu arbeiten. Der Verein LeseLust Leipzig e.V., in dem ich ehrenamtlich tätig bin, engagiert sich für die Leseförderung bei den 3- bis 12-Jährigen. Mittlerweile haben wir über 80 aktive Vorlesepaten, die in Kindergärten, Schulen und Bibliotheken regelmäßig den Kindern vorlesen.

Wen hast du für dein Buch interviewt?

Für das Buch habe ich Menschen aus verschiedenen Berufszweigen interviewt, die mit dem Schreiben ihr Geld verdienen, die zwar auch, jedoch nicht in erster Linie mit dem Schreiben von Büchern ihren Lebensunterhalt finanzieren. Dazu gehören Blogger, Redenschreiber, Onlinejournalisten, Werbetexter, Lektoren, Ghostwriter und Selfpublisher. Was in allen Interviews klar herauskam, war die Leidenschaft, mit der sie ihrem Beruf nachgehen. Die Lust am Schreiben steht für sie an erster Stelle.

Was unterscheidet deinen Ratgeber von anderen Büchern auf dem Markt?

Es handelt sich nicht um einen sachlichen Ratgeber mit Tipps für die passende Berufswahl, sondern fiktive Personen stehen im Mittelpunkt, die Einblick in ihren jeweiligen Beruf geben. Sie erzählen aus ihrer erlebten, persönlichen Erfahrung. Die Aussagen meiner Interviewpartner werden darin verarbeitet. Ich hoffe damit einerseits, durch den gewählten Stil das Lesevergnügen angenehmer zu gestalten, andererseits die vielfältigen Möglichkeiten aufzuzeigen, die es im Bereich des Schreibens gibt. Gute Schreiber werden immer gebraucht, denn Worte und Kommunikation sind unser aller täglich Brot.

Hast du mal überlegt, einen Reiseratgeber über Frankreich zu schreiben?

Bis jetzt noch nicht, aber vielleicht wäre das eine gute Idee. Danke! Frankreich vereint in einem einzigen Land so viele wunderschöne Regionen, die jeweils ihren eigenen Charakter haben. Da ist die Bretagne mit ihrer rauen Küste, die Normandie mit ihren grünen Weiden, die Aquitaine mit ihren Weinbergen, die Alpenregion mit dem Mont Blanc, die glamouröse Côte d’Azur…

Und zum Schluss – wer ist dein französischer und wer dein deutscher Lieblingsautor?

Guy de Maupassant lese ich sehr gerne. Er ist ein französischer Autor, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte. Seine Novellen spielen in der Normandie oder in Paris. Gerade die Beschreibung des Pariser Lebens ist so eingängig: Wenn ich heute am Ufer der Seine entlanglaufe, habe ich den Eindruck, wieder in diese Zeit zurückversetzt zu werden. Das Flair der damaligen Zeit liegt auch heute noch über der Stadt.

Als deutschen Autor mag ich Stefan Zweig. Er hat ein sehr reiches Vokabular, eine intensive, auf den Punkt treffende Sprache, die ich in seinen Werken, z. B. in der Erzählung Brennendes Geheimnis* sehr schätze.

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