Die 5 häufigsten Fragen

Noch während meines Studiums ging ich mit dem Russenstern* an die Öffentlichkeit. Im Nachhinein betrachtet war das der entscheidende Punkt, an dem ich mich dazu entschloss, das Schreiben ernsthaft zu verfolgen. Bis zu dieser hatte ich lediglich mein Umfeld mit Gedichten und Kurzgeschichten unterhalten. Damals glaubte ich, froh darüber sein zu können, wenn ein paar meiner Freunde Interesse zeigen und das Buch wenigstens anlesen würden.

Die positiven Reaktionen überraschten mich. So verteilte ein guter Freund unaufgefordert meine Flyer in Imbissen, Wohnheimen und an der Uni. Wenn er mit dem Zug durchs Land fuhr, ließ er die Flyer auf den Sitzen und in den Abteilen liegen. Ein anderer Freund trommelte für meine erste Lesung einen Haufen Leute zusammen. Wieder ein anderer kaufte meine Bücher und verschenkte sie zu Geburtstagen an seine Liebsten. Es war eine großartige und motivierende Erfahrung für mich.

Und was machst du?

Auf Partys trieben mir Fremde mit ihren Fragen die sprichwörtlichen Löcher in den Bauch. Manchmal waren mir die Fragen zu viel, an anderen Tagen habe ich mich sehr über das Interesse gefreut.

Die Top 5 Fragen

  1. Kannst du davon leben?
  2. Wie viele Bücher hast du verkauft?
  3. Worum geht es in deinen Büchern?
  4. Wie bist du zum Schreiben gekommen?
  5. Hast du einen richtigen Verlag?

Der Inhalt meiner Bücher ist oft von geringerem Interesse als die Verkaufszahlen. Das hat meiner Meinung nach mit der Wahrnehmung des Schriftstellers in unserer Gesellschaft zu tun. Entweder ist er ein armer, brotloser Glücksritter, der zurückgezogen lebt und kafkaesk unglücklich, missverstanden und einsam durch das Leben irrt. Oder er ist der Bestseller-Fließbandschreiber, der Drehbücher an Hollywood verkauft und mit seinem Siegerlächeln auf Millionen von Buchrücken abgebildet ist. Das sind zwei extreme Klischees, zwischen denen sich die meisten Illusionen abspielen.

1. Kannst du davon leben?

Das Hartnäckige an Klischees ist, dass sie in einigen Fällen sogar stimmen. Statistisch gesehen kann weniger als 1 % der Autoren weltweit von den Einnahmen ihrer Bücher leben. Die anderen tun gut daran, sich einen Broterwerb zu suchen. Da ich als Schriftsteller und als Texter arbeite, profitiere ich von einem symbiotischen Effekt: Ich bekomme Inspiration und habe Spaß an beiden Tätigkeiten. Und die kreative Arbeit an meinen Romanen und Kurzgeschichten bereichert meinen sprachlichen Fundus für Aufträge.

2. Wie viele Bücher hast du verkauft?

Betrachten wie die Fragen nach dem Verdienst genauer. In unserer Leistungsgesellschaft wird der wirtschaftliche Erfolg eines Buches gleichgesetzt mit dessen inhaltlichem Wert. Die Theorie dahinter: Wenn Leute ein Buch gut finden, werden sie es auch kaufen.

Das stimmt aber nur bedingt. Erst einmal muss ein Buch überhaupt bekannt werden, bevor potenzielle Leser es wahrnehmen und kaufen können. Kennen Sie die Neuerscheinungen des Jahres 2012? In jenem Jahr haben die Deutsche Nationalbibliografie und die VLB 79.860 Titel in Erstauflage registriert. So viel kann kein Mensch lesen.

Kein Wunder, dass angesichts derartiger Zahlen manche Buchtitel jahrelang ein Schattendasein fristen und nie entdeckt werden. Mit viel Glück werden sie dank einer treuen Fanbase bekannter. Mit ganz viel Glück schwappt das Werk dann wie eine Welle über den Mikrokosmos der Fanbase in den großen Buchmarkt.

3. Worum geht es in deinen Büchern?

Das ist sehr unterschiedlich. Die Botschaften und Fragen in meinen Büchern können meine Leser umso besser herausfinden, je mehr sie von mir lesen. Während Russenstern eine Kurzgeschichtensammlung über Berliner Jugendliche ist, handelt Akademisches Viertel* in Form eines satirischen Studienratgebers vom Leben als Student. Die Gärtner* wiederum setzt sich mit dem Leben als Profifußballer in einer Diktatur auseinander.

Bei  journalistischen Artikeln pflege ich das Prinzip der gesunden Distanz. Denn es ist wichtig, sich einem Thema objektiv zu nähern. Bei meinen Geschichten vermeide ich den distanzierten Standpunkt. Hier positioniere ich mich gern zu den Themen, über die ich schreibe – denn was hätte ich als Schriftsteller sonst zu sagen?

4. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Für Platz 4 der Fragen verstand ich erst nicht, was gemeint war. Wie soll man auf etwas kommen, was von einem inneren Impuls heraus angetrieben wird? Was für mich klar war, erschien meinen Mitmenschen nicht so nachvollziehbar.

Inzwischen benutze ich einen Vergleich, um meine Motivation zu veranschaulichen. Ich frage dann meinen Gegenüber zurück, wie er sich fühlt, wenn er Hunger hat – denn so würde es sich für mich anfühlen, wenn ich nicht schreiben würde. Ich bin nicht zum Schreiben gekommen, sondern das Schreiben und ich haben uns zur richtigen Zeit getroffen.

5. Hast du einen richtigen Verlag?

Mit “richtig” ist gemeint, ob ich bei einem seriösen Verlag oder einem Druckkostenzuschussverlag bzw. bei einem On-Demand-Dienstleister bin. Denn jeder weiß, dass es theoretisch kein Problem ist, sein eigenes Buch ohne Hilfe von Druckereien, Lektoren und Setzern zu veröffentlichen. Zumindest in der Theorie. Meiner Meinung nach muss jede Publikation mit entsprechenden Marketingmaßnahmen begleitet werden, damit sie gelingt.

Bei einem Verlag zu publizieren scheint nach wie vor der Maßstab zu sein, ob ein Buch gut ist oder nicht. Und so falsch liegt man damit gar nicht. In einem Verlag sitzen erfahrene Entscheider, die das Manuskript beurteilen – und zwar nach ökonomischen Maßstäben. Das tun wohl auch die Leser, wenn ich das Rankingergebnis betrachte.

Bin ich bereit, meine Werke selbst zu vermarkten?

Der Aufwand dafür ist groß. Lesungen müssen organisiert, Pressemeldungen geschrieben, Social-Media-Präsenzen gepflegt, eine Website aufgebaut, Leseproben verfasst, Klappentexte geschrieben, Rezensenten kontaktiert, Exposés entworfen und Buchläden informiert werden.

Und das sind nur die basalsten Maßnahmen, um ein Buch bekannter zu machen. Die Intensität dieser Arbeitsschritte hängt ganz entscheidend davon ab, bei wem Sie unter Vertrag stehen und wie viel Sie an zusätzlicher Marketingarbeit investieren wollen.

Fazit

Von größtem Interesse scheint also zu sein, wie und ob ein Autor an seiner kreativen Arbeit verdient. Ob es sich also lohnt, zu schreiben. Dabei werden zwei Dinge häufig übersehen:

1. Finanzieller Erfolg sagt nicht immer etwas über die Qualität von Büchern aus. Schriftstellerischer Erfolg ist auch in anderen Relationen messbar wie der Anerkennung von Lesern, der eintretenden Zufriedenheit, wenn ein Buch fertig ist, einer tollen Lesung oder positiven Rezensionen.

2. Eine reine Orientierung auf Gewinn behindert den kreativen Fluss. Wenn der Autor nur auf das Geld schielt, das er aus den Lesern quetschen will, wird sein Buch geistlos und ohne Tiefe sein. Meiner Ansicht nach gewinnen immer die authentischen Bücher – wenn sie das Glück haben, entdeckt zu werden.

Hinweis: Dieser Beitrag ist mein Einstieg in die Welt des Bloggens. Entsprechend habe ich ihn für die Blogparade “MyFirstContent” von Stefan Schütz eingereicht.


Die 5 häufigsten Fragen
5 (100%) 1 vote[s]

Nächster Beitrag
Wie Sie den eigenen Stil befreien

Ähnliche Beiträge

beitragsbild-5-gruende-fuer-einen-corporate-blog

5 gute Gründe für ein Corporate Blog

Vernetzung: Nur Adden reicht nicht

Vernetzung: Nur Adden reicht nicht

beitragsbild-25-tipps-blog

25 Tipps, um Ihren Blog gegen die Wand zu fahren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü