Genre-Gehege: Science-Fiction

Wenn wir von Science-Fiction hören, beamen sich wohl die meisten von uns gedanklich in Raumschiffe und ferne Galaxien. Doch nicht immer muss dieses Genre so ‘abgespaced’ sein. Oft sind die spektakulärsten Geschichten verblüffend nah an unserer Gegenwart dran. Ganz nach dem Motto: “Es könnte ja sein, dass …”

Merkmale

Obwohl die Science-Fiction im Genre-Gehege bekannt ist wie ein bunter Hund, hat sie es manchmal schwer, Leserinnen von sich zu überzeugen. Frauen interessieren sich für Chick Lit, Männer für Sci-Fi – so das Klischee. Dieser Stereotyp ist natürlich Quatsch, hält sich jedoch hartnäckig in der Gesellschaft und sorgt bisweilen für ein gewisses Abschreckungspotential bei der weiblichen Leserschaft.

Zerlegen wir den Begriff und übersetzen ihn ins Deutsche, dann ist Science-Fiction nichts anderes als Wissenschafts-Fiktion. Das erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich – wo doch gerade die Wissenschaft ergebnisorientiert vorgeht.

Allerdings liegt gerade darin die Spannung, die dieses Genre lebendig macht. In der Frage: “Was wäre, wenn …?”. Was wäre, wenn Menschen mit Warp-Antrieb durch das All fliegen würden? Was wäre, wenn wir in einer Welt leben würden, in der sämtliche Emotionen durch Drogen unterdrückt werden? Und was wäre, wenn Außerirdische uns an einem sonnigen Nachmittag mit überlegener Technik angreifen würden?

Werden diese Fragen mit liebevollem Detailreichtum, glaubwürdigen Charakteren und kreativen Einfällen in einer packenden Story aufgeworfen, haben wir es mit einem gelungenen Exemplar der Gattung Science-Fiction zu tun.

Nicht aus der Luft gegriffen

Science-Fiction ist keine bloße Fantasterei, sondern bezieht sich auf technische bzw. wissenschaftliche Entdeckungen. Meist wird ein Szenario entworfen, das die ethischen Konflikte derartiger Erkenntnisse thematisiert. Denken wir hierbei an das Klonen, an gentechnisch veränderte Lebensmittel oder an die derzeit heftig aufflammende Debatte um die Manipulation menschlicher Embryonen.

Entsteht dabei eine besonders düstere Vision der Zukunft, tritt die Dystopie auf den Plan. Diesem Miesepeter unter den Bewohnern des Genre-Geheges werden wir uns noch mit der nötigen Vorsicht in einem gesonderten Beitrag nähern.

Regeln für Maschinen

Wie weit der Stoff für Science-Fiction zurückreicht, zeigen zum Beispiel die Asimov’schen Gesetze, auch Robotergesetze genannt. Isaac Asimov war ein US-amerikanischer Wissenschaftler und Autor, der diese Gesetze erstmals in seiner 1942 veröffentlichten Kurzgeschichte Runaround erwähnte.

Die Asimov’schen Gesetze

  1. Ein Roboter darf einem menschlichen Wesen keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
  2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
  3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Roboter im militärischen Bereich (Kampfdrohnen, PackBots, Wachbots etc.) sind von diesen Gesetzen freigestellt. Was jedoch selbst in zivilen Lebensbereichen geschieht, wenn diese Gesetze nicht befolgt werden, zeigen uns Literatur und Film.

Im Besonderen sind hierbei auch die Augmentierungen zu erwähnen, also die Verschmelzung von Mensch und Maschine, von Biologie und Blech im Sinne der Bionik. Großartig geschildert wird eine mehr als bedenkliche Entwicklung der Menschheit in diese Richtung in der Games-Reihe Deus Ex, die zum Genre des Cyberpunk gehört.

Top-Vertreter der Spezies

Die genannten Werke nehmen eine kritische Perspektive auf Politik, Okönomie und/oder Ökologie ein, was in der Science-Fiction keineswegs selbstverständlich war. So erteilten Autoren der New-Wave-Bewegung, die Mitte der 1960er Jahre entstand, den pro-technischen Inhalten des Golden Age eine Absage. Doch die Bewegung war keinesfalls homogen. Die Science-Fiction ist und bleibt eben facettenreich mit scharfen Zähnen.

Welche Sci-Fi-Bücher können Sie empfehlen?

Illustration: Maria John Artwork

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

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Andreas Quinkert
28. Juni 2016 9:09

Hi Benjamin,
ich bin ein absoluter Sci-Fi-Freak und lese mich seit drei Jahrzehnten insbesondere durch die Klassiker des Genres. Ein Roman, der höchsten Qualitätsansprüchen genügt (und gänzlich ohne Weltraumschlachten und dieses ganze Gedöns auskommt), ist “Picknick am Wegesrand” des russischen Autorenduos Arkadi und Boris Strugatzki. Unbedingt in der überarbeiteten und ergänzten Neu-Fassung lesen (Gesammelte Werke 2, Heyne)!

Liebe Grüße
Andreas

Antworten

    Hi Andreas,

    danke für den Tipp, kommt auf meinen bereits bedrohlich durchgebogenen Büchertisch. Das Genre gibt unheimlich viel her und viele lieben Sci-Fi, obwohl es ihnen gar nicht bewusst ist.

    Liebe Grüße zurück
    Benjamin

    Antworten

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