Warum eine eigene Stimme wichtig ist

Es ist wie im Offline-Leben: Wer nur von sich erzählt, langweilt. Und wer nur das schreibt, was andere mögen könnten, hat keine eigene Stimme. Dabei ist es egal, ob Sie ein Mode-, Sport-, Literatur- oder Technikblog betreiben. Der User besucht Ihr Blog, weil er Ihre Sicht der Dinge kennenlernen möchte.


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Was es NICHT bedeutet, eine eigene Stimme zu haben

Gleich vorweg: Eine eigene Stimme zu haben, bedeutet nicht, dass Sie zum Marktschreier werden. Oder dass alles, was Sie sagen, auch pures Gold ist. Es bedeutet nicht, ein Anrecht auf Aufmerksamkeit zu erhalten. Diese Aufmerksamkeit müssen Sie sich immer verdienen. Vielmehr heißt es, sich von Autoren, Bloggern und Speakern abzugrenzen – und zwar durch Qualität und Individualität. Das eine ohne das andere funktioniert übrigens nicht.

Nur dann hat Ihre eigene Stimme auch die Chance, überhaupt gehört zu werden. Deshalb muss diese auch nicht laut oder schrill sein. Sie kann ganz leise auftauchen, beinahe schon flüsternd. Und trotzdem mit der Wucht eines Orkans vermeintliche Gewissheiten umfegen.

[bctt tweet=”Gute Stimmen müssen nicht laut sein, sondern etwas zu sagen haben.”]

In der Geschichte finden wir viele Beispiel dafür, dass längst nicht die Lautesten die Wahrheit sagen. Doch so weit brauchen wir gar nicht zurückzugehen.

Im Kalten Krieg waren Millionen Menschen davon überzeugt, dass der Feind entweder im Osten oder im Westen lauere. Diese Paranoia ging so weit, dass Stellvertreterkriege geführt wurden, um der jeweils gegnerischen Ideologie bloß keinen weiteren Raum zu geben. Wie absurd und wahnwitzig erscheint dieses Schwarz-Weiß-Denken uns heute?

Wie arbeite ich meine eigene Stimme heraus?

Wie so vieles im Leben ist auch das ein Prozess. Die eigene Stimme mag tief in Ihnen versteckt sein – erwarten Sie also nicht, dass sie sich bereits im ersten Blogpost oder der ersten Kurzgeschichte zeigt. Wie beim Stil geht es darum, Ihre Stimme zu suchen und zu finden – das ist nicht dasselbe und verlangt Geduld sowie Beharrlichkeit.

[bctt tweet=”Übung macht den Meister – auch heute noch!” username=”BenBrueckner”]

Ihre eigene Stimme wurde vielleicht jahrelang verschüttet, unter fremden Überzeugungen, Glaubenssätzen und Gewohnheiten. Um an dieses Fundament, an ihre Ur-Stimme zu kommen, braucht es daher diese Konsistenz.

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Die effektivste Methode hierfür ist das Training. Übung macht den Meister können wir nicht mehr hören, aber dieser Spruch ist gerade deshalb so weit verbreitet, weil er zutrifft. Was für Ihre Fähigkeiten gilt, können Sie auch auf die eigene Stimme übertragen.

Die echte Stimme als Beispiel

Sie können sich das Ganze auch bildlich vorstellen. Für meine Arbeit beim Radio habe ich beispielsweise Sprecherziehung in Anspruch genommen. Falls Sie das nicht kennen sollten – Sprecherziehung hat nichts mit Sprachfehlern o. Ä. zu tun. Dabei geht es um die Schulung von Aussprache und Stimme: Betonungsmuster, Melodieverläufe, dynamische Akzente und Artikulationsspannung – angehende Sprecher lernen hier eine ganze Menge.

Dieses Prinzip lässt sich auch aufs Schreiben übertragen: Je mehr wir an unseren Texten arbeiten und zwischen den Zeilen lesen, desto mehr kristallisiert sich unsere eigene Stimme heraus. Aber wieso ist das überhaupt von Bedeutung?

Warum eine eigene Stimme so wichtig ist

Bestimmt haben auch Sie Blogs und Magazine, die Sie immer wieder besuchen. Was ist der Kern, der Sie dranbleiben lässt? Warum folgen Sie diesem Medium und schauen regelmäßig dort vorbei? Meistens wohl, weil Sie dort eine Stimme finden, die die Dinge markant und einzigartig beschreibt. Walter Epp hat dazu einen treffenden Artikel geschrieben.

Wir leben in einer analytischen Gesellschaft, in der Objektivität und Sachlichkeit dominieren. Das ist gut für die Vernunft, hat aber null Wiedererkennungswert. Wenn Sie schreiben wie Autor X oder wie Blogger Y, dann verlieren Sie Ihre Individualität. Der Leser, der ohnehin jeden Tag einer medialen Überstimulation ausgesetzt ist, kann Sie dann nicht mehr von den tausenden gleichförmigen Bloggern unterscheiden. Wollen Sie das?

Oder wollen Sie lieber Ihre Individualität zum Ausdruck bringen, Ihren Esprit und die ganz persönliche Note unterstreichen? Dass Sie sich dabei an Fakten und an den Bedürfnissen Ihrer Leser orientieren sollten, ist kein Widerspruch, im Gegenteil: Vielmehr gehen Sachlichkeit, Seriosität und die eigene Stimme Hand in Hand ineinander über, wenn diese Ebenen auch als solche verstanden und nicht wild miteinander vermengt werden.

Fazit

Die eigene Stimme ist ein sehr wichtiger Ankerpunkt, um als Autor bzw. Blogger aus der Masse herauszustechen. Diese Stimme muss durch konsequentes Üben gesucht und gefunden werden. Durch stetiges Schreiben entwickeln Sie ein Gespür dafür, wie Ihre eigene Stimme ‘klingt’. Spannende Blogger und Autoren müssen nicht laut sein, sondern etwas zu sagen haben. Dann hört auch jemand hin.

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo Benjamin,

    ein spannendes Thema “die eigene Stimme”. Eine eigene Stimme zu haben, erfordert Mut, denn wir ecken an, wenn wir anders sind als die anderen. Es ist oft einfacher, dieselbe Stimme zu haben wie das Gegenüber. Gerade die Individualität macht jeden Menschen zu etwas Besonderem. Es wäre doch langweilig, wenn jeder dieselbe Stimme hätte. Bei Autoren und Bloggern gehört zur Stimme auch der Schreibstil. Ich besuche manche Blogs gerne, weil mir der Schreibstil gefällt, z. B. Hans Reuter und Stefan Schütz. Ich besuche Deinen Blog gerne, weil der thematisch auf meiner Wellenlänge ist und mir die bildhaften Formulierungen bei Deinen Rezensionen so gut gefallen. An Blogparaden gefallen mir die unterschiedlichen Stimmen, die sich zu einem Thema äußern. Ich stimme Dir zu, eine eigene Stimme oder auch Authentizität zu besitzen, hebt von der breiten Masse ab. Diese Stimme muss sich im Laufe der Zeit durch Übung entwickeln.

    Wünsche Dir noch einen schönen Abend.

    Viele Grüße
    Claudia

    Antworten
    • Hallo Claudia,

      eine fremde Stimme zu “übernehmen” passiert glaube ich sehr vielen Menschen. Das äußert sich dann in dem Gefühl, das einem sagt: “Moment mal, das sehe ich doch eigentlich ganz anders!” Ich stimme dir zu, dass der Grund dafür die Furcht davor ist, anzuecken.

      Im Grunde trainieren wir uns die Konditionierung darauf ab, möglichst angepasst zu sein. Und das dauert natürlich seine Zeit. Daher ist es hilfreich, sich die immensen Vorteile dieses Prozesses vor Augen zu halten. Denn seiner eigenen Stimme zu folgen, bedeutet Freiheit.

      Danke für das Kompliment und dir weiterhin eine schöne Woche.

      Viele Grüße
      Benjamin

      Antworten
  • Avatar
    Peter Ehrlich
    18. Mai 2016 16:17

    Hallo Benjamin,
    Das ist ein gelungener Beitrag. Die eigene Stimme zu finden, ist sehr schwer. Wenn wir irgend etwas beginnen, dann übernehmen wir Gewohnheiten, die wir schön empfinden, weil diese von vielen schön empfunden werden. Wir kopieren damit ein Vorbild. Weil der Erfolg aber ausbleibt, fragt man sich warum? Schnell findet man heraus, dass man das nicht selbst geschrieben hat, man hat einen fremden Stil kopiert. Schreibt man dann im eigenen Stil, erscheint das Ergebnis nicht besser zu sein. Dem Leser seine Stimme interessant zu machen, ist die schwerste Arbeit. Nur ein Schreibgenie wird das schnell bewältigen können. Für alle anderen heißt das: Übung, Übung macht den Meister. An dieser Aufgabe scheitern jedoch viele.
    Viele Grüße
    Peter

    Antworten
    • Hallo Peter,

      danke dir. Erfolg stellt sich glaube ich nur dann ein, wenn man sein ureigenes Ziel verfolgt. Ansonsten würde man selbst die Ergebnisse aus seinen Handlungen wohl nicht als Erfolge ansehen.

      Das Kopieren eines fremden Stils kann in der Tat schnell geschehen, da das vielen unbewusst passiert. Besonders problematisch finde ich in diesem Zusammenhang die Aussage: “Ich will schreiben wie …”

      Ich halte es für essentiell, von guten Autoren so viel wie möglich zu lernen, doch die eigene Stimme wird, wenn man es richtig angeht, dadurch nur gestärkt und nicht verfremdet.

      Im Übrigen glaube ich, dass auch die Genies Übung brauchen. Und je mehr man sich für die Legende in Person hält, desto schwerer fällt es natürlich, diese Bescheidenheit zu pflegen.

      Viele Grüße
      Benjamin

      Antworten

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