Bieten Clouds grenzenlose Freiheit?

Die neuesten Ereignisse um prekäre Promifotos zeigen: Clouds sind nicht sicher. Haben Fremde sich erst eines Accounts bemächtigt, sind die Folgen fatal. Viele Autoren und Freelancer möchten dennoch nicht auf den Komfort einer Cloud zum Speichern ihrer Manuskripte verzichten – ein unnötiges Risiko.

Was sind Clouds?

Mit den rasant wachsenden Serverkapazitäten wurde das Cloud Computing populär. Wesentliches Merkmal einer Cloud ist, dass die Dateien auf einem externen Server gespeichert werden. Der User kann aus aller Welt darauf zugreifen, sofern er Zugang zum Internet hat. Zwar nutzt die Mehrheit der Deutschen nach wie vor die eigene Festplatte als primären Speicherort für Dateien, allerdings nutzen schon jetzt 15 Millionen Deutsche die beliebten Online-Speicher. 

Welche Arten von Clouds gibt es?

Public Clouds

Bei den Public Clouds handelt es sich um offene Clouds, die für jedermann zugänglich sind. Public Clouds gelten als kostengünstigste Variante und sind damit insbsondere für Firmen, die an Hard- und Software sparen wollen, attraktiv. Allerdings bergen sie dementsprechend hohe Sicherheitsrisiken. Sämtliche Daten werden an einen fremden Anbieter übermittelt.

Private Clouds

Private Clouds sind nur in speziellen Netzwerken zugänglich. So legen Unternehmen eine firmeninterne Cloud an, auf die ausschließlich Mitarbeiter zugreifen. Auch Privatanwender können sich eine Private Cloud anlegen – vorausgesetzt, sie haben das technische Know-how dafür. Beispielsweise können Privatanwender eine externe Festplatte an ihren Router anschließen oder ein NAS-Gerät einrichten.

Hybrid Cloud

Die Hybrid Cloud vereint ein eigenes IT-Netzwerk mit den positiven Effekten von Private und Pulic Cloud. Die Betreiber haben mehr Einfluss auf die verwendete Software und können besonders sensible Daten in der Private Cloud und weniger bedeutende Dateien in einer Public Cloud speichern. So werden die Einsparvorteile der Public Cloud mit den Sicherheitsstandards der Private Cloud kombiniert.

Community Clouds

Hierbei handelt es sich um Infrastrukturen im Internet, die von mehreren Firmen aufgebaut und betrieben, aber nicht öffentlich zugänglich gemacht werden.

Die Vorteile von Clouds

Autoren und Texter sind Privatpersonen und benötigen in der Regel keine gigantischen Serverkapazitäten. Möchten sie dennoch Clouds verwenden, beginnt die mühevolle Suche nach passenden Anbietern. Meiner Einschätzung nach lohnt sich allein dieser Aufwand nicht. Dennoch erwähne ich im Folgenden die Vorteile, die Nutzer von Clouds sehen.

Die goldene Regel für Schriftsteller lautet: Immer abspeichern. Nichts ist ärgerlicher, als die mühevolle Arbeit von Stunden oder gar Tagen durch einen Systemfehler zu verlieren. Ein Computerabsturz genügt, um Texte zunichte zu machen. Word bietet zwar eine Wiederherstellungsfunktion für Dokumente, aber wer will sich schon darauf verlassen?

Die Cloud bietet dagegen einen zuverlässigen und schnellen Speicherort, in den die Autoren Exposés, Manuskripte, Entwürfe etc. einfach per Drag and Drop hochladen können. Kein umständliches Anschließen externer Geräte, keine lästige Suche nach dem USB-Stick – wenige Klicks, und die Daten sind kopiert. Das ist besonders dann rettend, wenn das Notebook bzw. der PC urplötzlich beschließt, den Geist aufzugeben.

Clouds gelten unter Freelancern als bequeme Möglichkeit, die eigenen Projekte zu speichern. Doch zahlen sie dafür einen hohen Preis.

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Sind Clouds unsicher?

Einem Bericht von BITKOM zufolge nutzen 55 % aller größeren Unternehmen (100 – 1.999 Mitarbeiter) in Deutschland Cloud Computing. Auch die Mittelständler haben aufgeholt: 2014 nutzten 41 % Cloud-Lösungen. Das ist im Vergleich zum Jahr 2011 ein Zuwachs um 15 %. Demnach hat NSA-Affäre 2013 das Nutzungswachstum reduziert, was nicht wirklich überraschend ist. In den Clouds von Unternehmen befinden sich Daten, die nicht in fremde Hände gelangen sollen. Damit werden sie zu besonders attraktiven Zielen von Hackern. Je wertvoller der Inhalt einer Cloud, umso wahrscheinlicher ist ein Hackangriff. Aus diesem Grund setzen die meisten dieser Firmen auf Private Clouds.

Bei der Sicherheit von Public Clouds existieren beachtliche Unterschiede. Bereits der Server-Standort kann Sicherheitsrisiken bergen: Überschwemmungen, Erdbeben, Kriminalität, Brände – all diesen Gefahren sind Cloud-Server ausgesetzt. Sind die Server durch Wachpersonal vor Einbrüchen gesichert? Wie modern sind die Löschanlagen? Haftet der Betreiber für Datenverluste? Kaum ein Privatanwender kennt die genauen Umstände vor Ort. Zwar versichern Anbieter und viele IT-Experten, dass die eigenen Daten in den modernen Rechenzentren bestens gesichert sind. Allerdings gilt das nur für die technische Seite. Die weiter oben beschriebenen Umstände werden in solchen Analysen selten berücksichtigt.

Clouds und das Urheberrecht

Problematisch an Clouds sind nicht nur die Sicherheitsrisiken. Wer seine Manuskripte online speichert, erklärt sich mit den jeweiligen AGB’s bzw. License Terms des Dienstleisters einverstanden. Im schlechtesten Falle willigt der Autor ein, alle Rechte an seinem Werk abzutreten. Wollen Sie wirklich die Früchte Ihrer harten kreativen Arbeit einem fremden Cloud-Anbieter schenken?

Entscheidend für das Urheberrecht ist der Serverstandort. Speichern Sie Ihre Projekte daher nur in Clouds, die ihre Server in Ländern mit hohem Datenschutzniveau haben. Dazu zählen unter anderem Deutschland, Großbritannien und die USA. Doch auch in diesen Fällen ist die Rechtslage in der Praxis schwierig. Zwar sind die Dateien theoretisch urheberrechtlich geschützt. Doch wer kann garantieren, dass kein Fremder Zugriff auf die wertvollen Dokumente hat?

Noch komplizierter wird es bei einer gemeinsamen Urheberschaft. Haben mehrere Leute an einem Dokument gearbeitet, brauchen Sie die Zustimmung von jedem Einzelnen, um die Datei hochzuladen. Besondere Vorsicht ist bei Dokumenten mit fremder Urheberschaft geboten. Bereits das Hochladen dieser Dokumente stellt eine unerlaubte Vervielfältigung dar. Einzige Ausnahme ist der Upload für die private Verwendung. Die Dateien dürfen dann unter Freunden und Familie geteilt, nicht aber kommerziell verwendet werden. Die Privatkopieschranke erlaubt dies jedoch nur bei Dateien ohne Kopierschutz.

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5 Top-Alternativen zu Clouds

Interne Festplatte

Der fundamentale Klassiker: Die Computer-eigene Festplatte. Hier speichern fast alle User ihre Daten. Es gibt allerdings sogenannte Chrome-Books, die vollständig auf eine Festplatte verzichten. Stattdessen werden sämtliche Daten (auch private Fotos, Bilder und Chatverläufe) auf einer Cloud gespeichert. Das genaue Gegenteil von dem, was ich für sinnvoll halte. Die interne Festplatte ist bei entsprechender Sicherung ein hervorragender Speicher. Selbst bei einem Systemabsturz kann sie in den meisten Fällen gespiegelt werden – die Daten sind also selten wirklich verloren. Demnach ist das Argument der Cloud-Befürworter, Daten im Falle eines Systemabsturzes nicht mehr retten zu können, nur zum Teil wahr.

USB-Stick

Ein USB-Stick verspricht dieselbe Mobilität wie eine Cloud. Mit ihm sind Sie sogar noch flexibler, denn um auf die Dateien zuzugreifen, benötigen Sie keine Internetverbindung. Sie können den Stick entweder an einem sicheren Ort aufbewahren oder immer mit sich führen. Zusätzlich lassen sich USB-Sticks mit Tools verschlüsseln oder mit einem Passwort schützen.

Externe Festplatte

Mittlerweile sehr erschwinglich sind externe Festplatten. Sie sind zuverlässig und verfügen über viel Speicherplatz. Genau wie ein USB-Stick lässt sich auch eine externe Festplatte effektiv verschlüsseln. Darüber hinaus bieten viele Modelle vorinstallierte Software für BackUps des kompletten Systems.

CD/DVD-Rohling

Ein fast vergessener Star unter den Speichermedien. Im Laufe der Jahre sind Rohlinge sehr günstig geworden. Ich empfehle, RW-Rohlinge zu kaufen, da sie wiederbeschreibbar sind.

Dateien verschlüsseln

Wenn Sie trotz allem nicht auf den Komfort von Cloud-Diensten verzichten wollen, dann vermeiden Sie es, Ihre Dateien ungeschützt hochzuladen. Bereits bei Word können Sie Ihre Texte mit einem Passwort oder einem Leseschutz versehen. Verschlüsselungs-Software hilft dabei, die Dateien zu sichern. Eine Übersicht dazu finden Sie hier.

Fazit

Clouds wirken auf den ersten Blick verlockend: Sie präsentieren sich als moderne und bequeme Speichermedien. Für Autoren und den Großteil der Freelancer sind sie allerdings nicht nur unnötig, sondern aufgrund der potentiellen Gefahren und der schwammigen Urheberrechtslage riskant. Das gilt besonders dann, wenn fremde oder gemeinschaftlich verfasste Texte in der Cloud landen. Besser ist es, entgegen dem Trend bei haptischen Speichern zu bleiben.

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