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Warum wir nicht alles erreichen können

Beitragsbild1: Warum wir nicht alles erreichen können, fliegende Möwen

Wir alle kennen das verheißungsvolle Versprechen: „Du kannst alles erreichen!“ Oft wird dieser Satz in Verbindung mit einer anderen „Weisheit“ gebraucht: „Du musst es nur wollen“. Wenn es doch nur so einfach wäre …

Die Kehrseite der Medaille

Wenn wir etwas erreichen wollen, meinen wir damit, ein Ziel zu erreichen. Oft wird dabei außer Acht gelassen, dass dieses Ziel meistens mit Anstrengungen und Entbehrungen verbunden ist.

Ein Autor verbringt jede Menge Zeit allein an seinem Schreibtisch. Er weiß nicht, was dabei herauskommt. Selbst wenn er einen Roman fertig hat, ist die Arbeit damit noch lange nicht getan.

Bewusst leben

Fangen wir gleich mit der härtesten aller Tatsachen an, denn Sie und ich haben keine Zeit zu verlieren: Wir leben nicht ewig. Und mit dem Alter lassen auch unsere körperlichen und geistigen Fähigkeiten nach. Wir alle kennen Menschen, die bis ins hohe Alter fit sind und solche, die mit Mitte 20 mit der Welt abgeschlossen haben. Doch wir alle sind diesem Prozess unterworfen, wenngleich das Tempo dieses Prozesses von zahlreichen Faktoren abhängig ist.

Die physischen Grenzen

Wenn wir uns stundenlang vor den Fernseher hocken, wenn wir nicht bewusst leben, dann spüren wir das Dasein nicht. So ist es wenig überraschend, dass uns das Leben kurz erscheint.

Das Leben ist endlich, aber nicht kurz. Klick um zu Tweeten

Die Grenzen unseres Körpers beschränken uns in unseren Zielen. Wir können ab einem gewissen Alter keine Profifußballer mehr werden, weil wir zu alt geworden sind.

Genauso unwahrscheinlich ist es, dass wir als Handballer, Kickboxer und Bogenschützen in der höchsten Liga mitspielen, während wir uns gedanklich auf das nächste Schachturnier mit Magnus Carlsen und das Dinner mit Barack Obama vorbereiten. Es mag Überflieger geben, die zumindest der Fassade nach ein „Hochleistungsleben“ führen, aber bleiben wir realistisch – wer kann das von sich behaupten?

Wir können nicht alles werden

Es ärgert mich, wenn Leute behaupten, dass jeder schreiben kann. Wenn dem so wäre, dann gäbe es auf der Welt keine talentierten Autoren, ja, dann gäbe es nicht einmal Talente. Wenn jeder Mensch sowieso alles könnte, dann hätte niemand von uns besondere Fähigkeiten. Dann ist jeder ein verkappter Kubrick, ein Rubens oder ein Goethe.

Und jeder hervorragende Mechaniker wäre diesem Verständnis nach ein leeres Blatt Papier, auf dem einfach nur lange genug in Form einer Ausbildung geschrieben wurde. Oder, um es einfacher zu sagen: Laut dieser Theorie sind wir leere Hüllen, die mit Wissen befüllt werden.

Beitragsbild2: Warum wir nicht alles erreichen können, fliegende Möwen

Doch das stimmt nicht. Es gibt einen Grund, weshalb manche Kinder in der Schule gut in Mathe und schlecht in Deutsch sind. Und umgekehrt. Es gibt einen Grund, warum mir das Schreiben von Kurzgeschichten in der dritten Klasse leicht von der Hand ging, während ich das Sticken gehasst habe (ja, ich musste in der Grundschule lernen, zu sticken).

Ein Talent kann man sich nicht antrainieren, es ist entweder da oder nicht. Vielleicht könnte ich trotz meines fehlenden Talents zum Sticken mit der Nadel ein halbwegs passables Muster hinbekommen. Doch ich bräuchte ungleich mehr Zeit dafür im Gegensatz zu einem begabten Menschen, der das Talent für dieses Handwerk in sich trägt.

Der Preis der Freiheit

Ein glückliches Leben führen – ich behaupte mal, dass dies der Wunsch der meisten Menschen ist. Die Heilsbotschaft, dass wir alles erreichen können, ist allerdings trügerisch und muss zwangsläufig zu Enttäuschungen führen.

Allein dadurch, dass wir uns aufgrund unserer begrenzten Zeit für etwas entscheiden müssen, entscheiden wir uns damit automatisch gegen etwas. In den Wirtschaftswissenschaften wird dieser Verlust mit dem Begriff Opportunitätskosten beschrieben.

Opportunitätskosten sind die Gewinne, die uns entgehen, wenn wir uns gegen sie entscheiden. Ein einfaches Beispiel: Sie sind 18 Jahre alt und haben Ihr Abitur abgeschlossen. Nun stehen Sie vor der Wahl – arbeiten gehen oder studieren? Wenn Sie sich für ein Studium entscheiden, sind die Opportunitätskosten die Einnahmen, die sie durch eine Arbeit in der gleichen Zeit hätten erzielen können.

Dieses Prinzip steckt hinter der Redewendung „Einen Preis zahlen“. Und das Gemeine an den ganz großen Zielen ist: Meistens zahlen Sie am Anfang verdammt hohe Opportunitätskosten. Ganz besonders als Schriftsteller, wie Walter Epp von Schreibsuchti.de zu berichten weiß.

Eine viel zitierte Regel des Autors Malcolm Gladwell besagt, dass ein Mensch um die 10.000 Stunden an Fleiß, Ausdauer, Disziplin und Arbeit investieren muss, um in einem Bereich des Lebens die Meisterschaft zu erlangen. Auch wenn diese Zahl sicherlich kritisch zu sehen ist, stimmt der Kern der Botschaft: Talent ist die Voraussetzung, harte Arbeit der Weg.

Was wollen Sie tun?

Beitragsbild3: Warum wir nicht alles erreichen können, fliegende Möwen

Die Floskel „Du kannst alles werden“ soll uns das Gefühl von grenzenloser Freiheit vermitteln. Tatsächlich aber begeben wir uns mit diesem Glaubenssatz in einen Käfig, aus dem wir enttäuscht hinausgucken. Denn anstatt ein Ziel im Fokus zu haben, denken wir ständig an die Opportunitätskosten.

„Ich hatte mir doch so viel vorgenommen!“

Manchmal rutsche ich auch in diese Falle – ich reflektiere nicht über meine Fortschritte, sondern ärgere mich darüber, was ich alles noch schaffen will und (noch) nicht geschafft habe. Doch das führt nur zu Unzufriedenheit.

Außerdem hat die Sache mit den Opportunitätskosten einen Haken, und zwar einen sehr erfreulichen: Diese Kosten tun nur weh, wenn sie uns etwas wert sind, d. h., wenn wir das Gefühl haben, etwas aufzugeben. Sind wir aber im Reinen mit unserer Entscheidung, nehmen wir auch schwierige Verhältnisse in Kauf – denn wir wissen, wofür wir sie in Kauf nehmen.

Dauerhafte Zufriedenheit

Allein die Tätigkeit, sich auf das Ziel Schritt für Schritt zuzubewegen, kann für dauerhafte Zufriedenheit sorgen. Mit Sicherheit kennen Sie den berühmten Satz von Konfuzius:

„Der Weg ist das Ziel.“

Doch der gute Konfuzius hat noch mehr Kluges zu diesem Thema gesagt:

„Wer das Ziel kennt, kann entscheiden.
Wer entscheidet, findet Ruhe.
Wer Ruhe findet, ist sicher.
Wer sicher ist, kann überlegen.
Wer überlegt, kann verbessern.”

Das ist die Reihenfolge. 

So finden Sie heraus, was Sie wirklich erreichen wollen:
  1. Erforschen Sie Ihre Ziele
  2. Treffen Sie eine Entscheidung – und akzeptieren Sie die (scheinbaren) Opportunitätskosten
  3. Lassen Sie die Entscheidung wirken
  4. Legen Sie mit den ersten Taten los
  5. Wiederholen Sie die Schritte 1-4, wenn Sie an einen Wendepunkt geraten

Fazit

Das Motto „Du kannst alles erreichen“ ist eine Täuschung. Jeder von uns hat (mindestens) ein Talent. Herauszufinden, welches das ist und den Weg dieses Talents zu gehen, erfüllt uns und befreit aus einem larmoyanten „Was-wäre-wenn“-Denken. Damit ist nicht gemeint, im Leben nicht an verschiedenen Projekten zu arbeiten. Aber all diese Projekte sollten etwas mit Ihren Talenten und einer gesunden Portion realistischem Optimismus zu tun haben.

Was sind Ihre Gedanken zum Motto „Du kannst alles erreichen“?

2 Kommentare Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Hallo Benjamin,

    ich denke auch, dass jeder Mensch seine Stärken und Schwächen hat. Oft liegen Talente auch im Verborgenen und werden nur per Zufall entdeckt oder sie müssen sich noch entwickeln. Aber wenn jemand keine Begabung hat z. B. Musik zu machen, kann er/sie noch so sehr üben, es wird nichts. Aber jeder kann mit einer vorhandenen Stärke ein Ziel, wofür er/sie diese Stärke braucht, erreichen, wenn er/sie das will.

    Viele Grüße
    Claudia

    Antworten

    • Hallo Claudia,

      wie du schon sagst, mit einer vorhandenen Stärke, die ausgebaut und trainiert wird. Es dauert ja schon eine gewisse Zeit, herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen. Und es ist toll, wenn ein Talent aus seiner Verborgenheit endlich herausgeholt wird. 🙂

      Viele Grüße,
      Benjamin

      Antworten

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