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Selbstbetrug: Wie Sie garantiert nie zum Schreiben kommen

Illustration: Selbstbetrug: Wie Sie garantiert nie zum Schreiben kommen

In einem anderen Beitrag habe ich ein paar Tipps gesammelt, wie Sie sich besser auf das Schreiben konzentrieren können. Allerdings bringen alle Tipps dieser Welt nichts, wenn Sie sich nicht einem Problem stellen, das sehr vielen Autoren begegnet: Dem Selbstbetrug.

Nur mal kurz bei Facebook rein …

Im letzten Jahr hatte ich mir fest vorgenommen, den Tag straff durchzuziehen und erst am späteren Nachmittag bei Facebook vorbei zu schauen. Soll ich Ihnen sagen, wie oft ich das damals geschafft habe? Nicht ein einziges Mal. Zwar läuft Facebook bei mir nicht ständig im Hintergrund, aber ich gehe noch immer viel zu oft rein, um zu schauen, „was so los ist“.

Doch damit nicht genug – als Autor und Blogger hat man nicht nur das Problem des normalen Informations-Streams: Ein Kompendium von Zeitungsartikeln und dem, was Freunde und „Freunde“ eben so in den Kanal blubbern.

1. Beschäftigen Sie sich den ganzen Tag mit Social Media

Wir können uns auch wunderbar in Gruppen organisieren, die thematisch zu uns passen, in diesen Gruppen Diskussionen verfolgen und munter Liken, Posten und Teilen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Im Grundsatz sind das großartige Funktionen, mit denen wir uns effektiv vernetzen können. Durch diese Gruppen habe ich so viele Blogs entdeckt, so viele spannende Menschen kennen gelernt, dass es sich definitiv lohnt, darin aktiv zu werden.

Problematisch wird es jedoch, wenn Sie Social Media als Selbstzweck und damit als Selbstbetrug verwenden. Wenn Sie drei Stunden bei Facebook online sind, hat das definitiv nichts mehr mit Marketing zu tun. Inspiration kriegen Sie sowieso besser in der Offline-Welt.

Es ist weggeschmissene Zeit, in der Sie nicht geschrieben haben. Die Gefahr dabei: Wir haben trotzdem das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Wenn wir uns durch die sozialen Medien klicken und fleißig kommentieren, kann schnell der Eindruck entstehen, wir hätten wirklich etwas geleistet. 

Immer dieser Zwang

Witzigerweise jammern viele Autoren über den subjektiv empfundenen Zwang zum Schreiben, haben aber kein Problem damit, sich bei Social-Media-Marketing selbst an die Kette zu legen. „Einmal pro Tag sollten Sie schon twittern“ – eine dieser Regeln, weshalb ich Twitter nicht nutze. mittlerweile habe ich mich bei Twitter angemeldet, ohne jedoch jeden Tag etwas in den Äther zu schreiben. Ich möchte nur tweeten, wenn ich etwas zu sagen habe. Und meine Beiträge erscheinen einmal in der Woche, jeden Sonntag um 17 Uhr. Ähnlich verhält es sich mit meinen Facebook-Posts. Weniger ist mehr! Sonst nervt es einfach nur gewaltig.

Ich habe dieses Phänomen von zu viel Social Media wie gesagt an mir selbst beobachtet und gemerkt, dass meine Unzufriedenheit in dieser Zeit wuchs – ich hatte den Eindruck, etwas geschafft zu haben, doch gleichzeitig wuchs das Gefühl, ich würde auf der Stelle treten.

Wissen Sie warum? Weil ich auf der Stelle trat. Ich hatte an manchen Tagen nichts geschrieben, kein kreatives Wort. Und natürlich würden viele jetzt sagen, dass das nicht so schlimm ist und man kann ja mal eine Pause machen usw., aber ich sage, das ist sogar sehr schlimm.

Wer sich dafür entschieden hat, Autor zu sein bzw. es zu werden, für den ist es eine Sünde, nicht zu schreiben. Man muss nicht jeden Tag schreiben, das stimmt natürlich. Selbst Stephen King macht wohl am Wochenende Pause und das erscheint mir sinnvoll (er kann es sich mittlerweile aber auch leisten). Es soll sich ja nicht wie ein Zwang anfühlen, aber man muss jede Menge Disziplin und Feuer haben, wenn es mit der Veröffentlichung irgendwann klappen soll.

2. Suchen Sie stundenlang nach dem Geheimtipp für Erfolg

Es ist kaum zu glauben, wie viel kreative Energie manche Leute in ihre „Social-Media-Strategie“ stecken. Da werden stundenlang alle möglichen Blogs abgegrast, nur um herauszufinden, wann denn die beste Zeit für einen Post ist, wie das allgemeine Nutzerverhalten so aussieht und wie man auf Facebook am besten seine eigene Zielgruppe anspricht. Auch ich lese leidenschaftlich gern gute Blogs, doch die besten Blogger ähneln sich alle in einem Punkt: Sie sagen, dass es keine Abkürzung gibt.

Ob Blogger oder Autor (oder beides): Harte Arbeit ist das Einzige, was zu echtem Erfolg führt. Alles andere ist Mumpitz. Auch die Autoren, die „entdeckt“ wurden, mussten irgendeine Leistung vorweisen, mit der sie auf sich aufmerksam machten. Blut, Schweiß und Tränen und nicht Likes, Comments und Tweets führen zum Ziel. Verwechseln Sie nicht das Marketing mit der eigentlichen Arbeit.

3. Hören Sie auf Ihre Selbstkritik und schreiben Sie nie

Ja, kaum zu glauben, aber wahr: Schreiben ist und bleibt der einzige Weg, wenn Sie Autor sein wollen. Und im Ernst, es ist einfach. Jeder Grundschüler kann schreiben, die Frage ist nur, wie gut Sie schreiben können. Wenn die Selbstzweifel wachsen, die Selbstkritik jeden Versuch, etwas aufs Papier zu bringen, unterbinden will, dann hilft nur Schreiben. Es klingt bitter, aber nur so funktioniert es. Wenn Sie diesen Tipp aufrichtig befolgen, sparen Sie sich eine Menge teurer Schreibcoachings, die genauso zum Selbstzweck werden können wie Social-Media-Marketing.

Sie brauchen keine lückenlose Konzeptionierung, wenn Sie ein Projekt anfangen, Sie brauchen Biss. Sie brauchen Ehrgeiz, Geduld und Durchhaltevermögen. Nichts weiter. Naja, ein Computer wäre nett, damit Sie Ihre Ideen auch umsetzen können. Alles andere ist Luxus. 

Schreiben Sie auch dann, wenn Sie keine Lust haben. Ihr Unterbewusstsein wird trainiert und lernt sukzessive, das Schreiben als etwas vollkommen Selbstverständliches wie Essen und Trinken anzusehen. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass man Schreiben am besten lernt, indem man schreibt und natürlich auch viel liest. Das Handwerk kann man sich auch autodidaktisch aneignen.

Denken Sie an die zahlreichen Schriftsteller, die nie einen Schreibkurs besucht haben, und trotzdem großartige Romane, Kurzgeschichten usw. veröffentlichen. Diese Menschen sind mit der Literatur verheiratet, sie lieben die Sprache, die Schrift und scheuen keine Mühen. Das und die Bereitschaft, immer an sich zu arbeiten, sowie den eigenen Stil zu perfektionieren, hat sie zum Erfolg geführt. Nichts anderes.

4. Planen Sie sich jeden Tag voll

Planen Sie die kommende Woche stets bis auf die letzte Minute aus. Übrigens ist Planen ein weiterer wunderbarer Selbstbetrug – hier können wir mit schicken Kalendern, Business-Apps, Zeitmanagement-Tools usw. Stunden zubringen. Wir können uns in komplexe Software einarbeiten, und damit es sich so richtig lohnt, dieselbe Software auch auf unserem Tablet und unserem Smartphone einrichten und permanent synchronisieren.

Um auf wirklich nichts verzichten zu müssen, sollten Sie sich stets den kompletten Tag vollplanen: Vom Einschalten der Kaffee-Maschine am frühen Morgen bis hin zum Auseinanderfalten der Bettdecke am Abend. Versuchen Sie, allen gerecht zu werden und lassen Sie keinen Raum für Spontanität (die ja für Kreativität ganz schädlich sein soll), sondern geben Sie sich jeder Zerstreuung wie zum Beispiel Serien und Partys hin.

5. Arbeiten Sie an mehreren Projekten gleichzeitig

Wenn Sie von Projekt zu Projekt springen, maximieren Sie Ihre Chancen, mit gar nichts fertig zu werden. Am besten öffnen Sie vier Word-Dokumente gleichzeitig und lassen im Hintergrund laute Musik laufen, während Sie ihre Ideen aufschreiben. Springen Sie immer wieder zwischen den einzelnen Plots hin und her, damit Sie so richtig durcheinander kommen.

Übrigens meine ich damit nicht, mehrere Projekte zu haben, an denen man arbeitet, das tue ich auch, aber zyklisch, nicht auf einmal. Jedes meiner Projekte, egal ob damit ein Roman, der Blog oder ein Job gemeint ist, bekommt die ihm gebührende Aufmerksamkeit – dann aber auch voll und ganz, ohne Ablenkung oder Hin-und Her-Springen.

Fazit

Die einzige, effektive Methode, um zum Schreiben zu kommen, ist, es einfach zu tun. Trainieren Sie Charaktereigenschaften wie Disziplin, Durchhaltevermögen, Ausdauer und Konzentration, indem Sie sich immer wieder zum Schreiben aufraffen. Es ist ein harter Weg, besonders am Anfang, aber wer hat jemals gesagt, dass es leicht sein würde, die Früchte vom Baum zu holen?

Illustration: Maria John Artwork

6 Kommentare Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Servus!

    Haha, erwischt. Ich weiß, du hast recht, aber all diese Punkte sind so verlockend – und das „einfach Schreiben“ so schwer. Ich werde es dennoch tun! 🙂

    Das Bild ist wirklich gandios. I like.

    Ganz liebe Grüße aus Wien,
    Ivana

    Antworten

    • Hallo Ivana,

      darauf will ich hinaus. Schreiben ist schwer und die Ablenkungen sind so vielfältig wie nie. In Kürze erscheint in meinem Blog ein Beitrag, der die „digitale Entgiftung“ zum Thema hat – und Denkanstöße gibt, wie wir uns davon kurieren können. Dann fällt nämlich auch das Schreiben leichter. 😉

      In diesem Sinne, viele liebe Grüße zurück aus Leipzig,
      Benjamin

      Antworten

  2. Hallo Benjamin,
    stimmt, es gibt keinen guten Grund, nicht zu schreiben. Einfach mal offline sein und schreiben, sonst verzettelt man sich total und wieder ist ein Tag vorbei.
    Viele Grüße
    Claudia

    Antworten

    • Hallo Claudia,

      ganz im Sinne der Beharrlichkeit. Und das Schreiben ist so viel gewinnbringender als jede Zerstreuung. Ich meine nicht nur das Resultat dieses Prozesses, sondern auch die Tätigkeit an sich.

      Viele Grüße zurück
      Benjamin

      Antworten

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