Was taugen Online-Tools?

Klar, das Web ist eine willkommene Quelle für Recherchen. Doch Online-Tools haben noch weit mehr zu bieten. Mit ihnen können Autoren ihre Texte in Sekundenschnelle auf Lesbarkeit prüfen. Aber wie sinnvoll ist das?

Der Flesh-Index

Der Flesh-Index ist ein Gradmesser für die Verständlichkeit eines Textes. Je einfacher ein Text geschrieben ist, desto höher ist sein Flesh-Index. Sie können für jeden Text den Flesh-Index errechnen lassen.

Flesh-Wert Text-Niveau Beispiele
über 80  Banal  Werbetext
71-80  Sehr leicht  Luther-Bibel
61-70  Leicht  Blogs, Kolumnen, Kommentare
46-60  Mittel  Durchschnittliche Zeitung
36-45  Schwer  Allgemeine Geschäftsbedingungen
bis 35  Sehr schwer  Beamtendeutsch, Doktorarbeit

Der Flesh-Index soll etwas über die Lesbarkeit aussagen. Berechnet wird er anhand der durchschnittlichen Wort- und Satzlänge sowie der Anzahl der Silben.

Obwohl es mehr als 200 mathematische Formeln für die “Berechnung” der Lesbarkeit gibt, hat sich der Flesh-Index durchgesetzt. Deshalb verwenden ihn auch die meisten Stil-Tools. Ganz besonders wenn wir für ein Zielpublikum schreiben, ist der Index hilfreich.

Online-Tools für den Stil?

Der Flesh-Index sagt allerdings nichts über konkrete Stil-Merkmale aus. Wir erhalten lediglich einen Durchschnittswert, der uns eine erste Orientierung sein kann. Stil-Tools im Web sind aber weitaus fähiger und mächtiger. Im Folgenden stell ich meine drei Favoriten vor.

1. Duden.de

Meine erste Anlaufstelle, wenn es um Korrekturen geht. Auf der Webseite findet sich die Textprüfung, die sehr gute und intelligente Ergebnisse liefert. Falsche Interpunktion wird ebenso effektiv erkannt wie unpassende Zeitformen oder Unstimmigkeiten im Kasus.

Kein Stilratgeber im eigentlichen Sinne, sondern eher ein umfassender grammatikalischer Korrektor, der Word bei weitem übertrifft. Nachteil: Die kostenfreie Nutzung ist auf 800 Zeichen beschränkt. Texte lassen sich also nur abschnittsweise via Copy & Paste überprüfen.

2. Stilversprechend

Ein schönes Wortspiel und in der Tat vielversprechend. Im Gegensatz zum Duden können bei Stilversprechend komplette Texte eingefügt und analysiert werden.

Der Flesh-Wert wird ermittelt und verschiedene Markierungen helfen dabei, Satz-Ungetüme und Floskeln bzw. Füllwörter ausfindig zu machen.

Anmerkung: Leider wurde dieser Service nach Angaben der Website eingestellt.

3. Leichtlesbar

Auf Leichtlesbar.ch finden Autoren einen sehr beliebten und nützlichen Stil-Ratgeber ohne viel Schnick Schnack. Auch hier können Sie Ihren Text ohne Einschränkungen in voller Länge überprüfen lassen.

Gefahr: Tod der Kreativität

Stil-Tools sind eine feine Sache, doch sie können problematisch werden, wenn es um die Einzigartigkeit eines Textes geht. Jeder schreibt anders und das sollte auch so bleiben. Die Stil-Ratgeber jedoch markieren jedes vermeintliche “Füllwort” und jeden ihrer Meinung nach zu lang geratenen Satz.

Doch lässt sich Sprache nicht in mathematische Formeln zwängen. Schreiben ist eine Kunst und Wiederholungen bzw. lange Sätze können bewusst gewählte Stilmittel sein.

Aus diesem Grund sollten Online-Tools nur für erste Analysen verwendet werden. So kann man bei einem Blogtext gut prüfen, ob er locker genug geschrieben ist und ob Überflüssiges weg kann.

Bei Romanen bzw. Prosa sind diese Werkzeuge mit Vorsicht zu genießen. Zu schnell kann man sich dazu hinreißen lassen, Kürzungen vorzunehmen, die dem eigenen Stil schaden.

Fazit

Online-Stil-Tools sind eine nützliche Hilfe, wenn es um die erste Einschätzung eines Textes geht. Schriftsteller und Autoren sollten sich jedoch nicht zu sehr auf sie verlassen, sondern ihrem individuellen Stil treu bleiben.

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