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„Schokolade und ständige Verfügbarkeit“ – Michael Dettbarn über ‚Offtime‘

Portrait: Michael Dettbarn (Gründer von Offtime)

Nicht ständig erreichbar sein – das ist der Wunsch vieler Menschen in unserer hochvernetzten Welt. Michael Dettbarn und das Team von Offtime wollen diesen Wunsch erfüllen. Paradoxerweise hilft also eine App dabei, Kommunikation zu filtern.


Was genau tut die App Offtime?

Offtime ist für Leute, die gezielt Auszeiten nehmen und sich besser konzentrieren wollen. Was wir ihnen geben, ist eine Art Kommunikationsfilter – nur noch die Leute kommen durch, die wichtig sind. Außerdem kann ich nur noch die Apps verwenden, die mir wichtig sind. Und es dringen nur noch die Informationen an mich durch, die für mich wichtig sind.

Das ist eine Alternative dazu, entweder komplett drin zu sein im Vernetzungschaos oder komplett raus zu sein. Bisher kann man nur den Flugmodus verwenden oder das Smartphone ausschalten und beide Methoden haben ihre Nachteile.

Ist die App kostenpflichtig?

Die App ist umsonst, für iOS gibt es inzwischen eine kostenpflichtige Light-Version. Wir bieten noch weitere Features an wie zum Beispiel Scheduling: Offtime lässt sich dann mit dem eigenen Kalender verbinden. Diese Features sind allerdings kostenpflichtig.

Gibt es die App auch für das Tablet/den PC?

Man kann die App genauso für das Tablet benutzen. Für das Smartphone macht es aber mehr Sinn, durch die Call-Funktion. Auf dem PC gibt es uns noch nicht, aber da sind wir dran.

Gibt es einen Trend hin zur Technikfreiheit?

Ja, ganz klar. Ich denke, es gibt einen massiven Druck auf uns, dadurch, dass wir immer stärker vernetzt sind, ist es glaube ich vielen Leuten immer wichtiger, sich auch Auszeiten zu gönnen. Dafür sprechen Bücher wie Analog ist das neue Bio. Dadurch, dass wir immer vernetzt sind, ist es ein interessanter Punkt, heraufzufinden, was geschieht, wenn wir es nicht sind.

Was genau macht denn Vernetzung mit uns und sind wir leichter ablenkbar als früher?

Erst einmal finde ich es überhaupt spannend, die Frage zu stellen, was Vernetzung mit uns macht. Die offensichtlichsten Effekte sind Dinge in unserem Alltagsverhalten: Dass sich zum Beispiel Verbindlichkeit ändert. Und ähnlich ist es mit grundsätzlicher Erreichbarkeit, da ändern sich die Ansprüche.

Viele haben das Gefühl, es gibt jetzt schon Ansprüche, in bestimmten Kontexten immer erreichbar zu sein.

Ich glaube grundsätzlich nicht, dass sich bei uns als Menschen etwas geändert hat. Wir sind genauso ablenkbar wie früher, nur dass es viel mehr Angebote gibt – das Maß an Informationsangeboten ist gestiegen. Um diesen Ablenkungen überhaupt Herr zu werden, müssen wir uns konzentrieren.

Wenn wir jeden Tag ein Stück Schokolade auf unseren Schreibtisch legen, werden wir sie auch essen. Wenn wir erst gar keine Schokolade kaufen, verringern wir das Risiko. Ähnlich ist es mit dem Informationsangebot.

Neben der App bietet ihr auch ein Retreat-Wochenende an – was ist das und für wen ist dieses Angebot geeignet?

Retreat ist das eine, da geht es darum, mal abschalten zu können. Uns geht es darum, wirklich Auszeiten zu nehmen, aber nicht nur im Sinne von „nicht arbeiten“, sondern auch um produktiver zu sein und sich besser zu konzentrieren.

Wir wollen vermitteln, wie sich das anfühlt ohne Technik – dafür bieten wir Reflexionsmöglichkeiten, Übungen, Gespräche. Welche Effekte hat es, wenn wir mit Technik anders umgehen? Anwendbar für den Alltag haben wir den Workation Day: Man ist in der Natur und hat seine Ruhe und genau diese Ruhe nutzt man, um konzentriert zu arbeiten.

Wo werden die Daten für die Analyse des eigenen Online/Offline-Verhaltens gespeichert?

Die Daten werden bei unserer App lokal gespeichert. Um uns diese ganzen Privacy-Probleme zu ersparen, bleibt alles auf dem Handy. Das haben wir von Anfang an so programmiert. Das persönliche Nutzungsverhalten fließt bei uns nicht auf Server. Eine Ausnahme gibt es – wir wollen künftig eine Vergleichsmöglichkeit mit anderen Nutzern einräumen. Man kann sich da einschätzen, aber auch da werden nicht die direkten Werte geteilt, wir vergleichen die anonym.

Bildquelle: OFFTIME GmbH

4 Kommentare Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Hallo Benjamin,

    ein interessantes Thema. Da ich kein Smartphone besitze, bin ich auch nicht immer erreichbar. Ich kenne ein paar Blogger, die einen Test gemacht haben „30 Tage ohne Smartphone“ und dabei gemerkt haben, dass es auch ohne geht und man die Zeit sinnvoller nutzen kann.
    Auf Schokolade verzichte ich allerdings nur ungern, dafür habe ich keine Probleme, mal offline zu sein.

    Viele Grüße und alles Gute für 2016
    Claudia

    Antworten

    • Hallo Claudia,

      danke, ich wünsche dir auch ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2016.

      Ich selber nutze ein Smartphone und auch die App „Offtime“. Es ist ein angenehmes Gefühl, für die wichtigsten Kontakte erreichbar zu bleiben und sich dennoch voll und ganz auf die Arbeit oder die Entspannung einlassen zu können.

      Es geht auch ohne, klar, aber die Vorteile eines Smartphones möchte ich auch nicht missen – mobiles Internet ist ganz klar einer davon. Das muss aber jeder selbst für sich entscheiden.

      Viele Grüße
      Benjamin

      Antworten

  2. Servus!

    Also der Trend hin zur Technikfreiheit wird bei uns daheim definitiv nicht gelebt. Dafür bin ich zu sehr Nerd. 😉

    Dennoch geht meine Welt nicht unter, wenn ich mal am Wochenende den Rechner ausgeschaltet lasse und nur einmal am Tag meine Mails und SoMe-Accounts checke. Aber eines stimmt, die Konzentration macht einem (mir) schon zu schaffen, da die Komplexitätsreduktion aktiv gesetzt werden muss – dabei lassen wir uns Menschen doch so gerne berieseln. 😀

    Toller Beitrag! Ich wünsche dir einen wundervollen Start ins Jahr.

    Liebe Grüße aus Wien
    Ivana

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    • Servus Ivana,

      ich denke auch, dass die Konzentration durch die vielen Ablenkungen gestört wird. Ich betrachte die App daher als nützliche „Krücke“, um einen Großteil dieser Ablenkungen zu deaktivieren. Besonders beim Lesen von Büchern will ich nicht durch störende Social-Media-Meldungen oder Ähnliches unterbrochen werden.

      Danke für dein Lob und deinen Kommentar!

      Liebe Grüße zurück aus Leipzig
      Benjamin

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