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Hochsensibel: Stark und fokussiert

Beitragsbild: Hochsensibel: Stark und fokussiert

Kennen Sie Hochsensibilität? Eigentlich ist das ein Wort, das den Kern der Sache nicht trifft. Denn sensibel zu sein ist nicht gerade etwas, womit man in unserer Gesellschaft Lorbeeren erntet. Woran liegt das?

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Das große Missverständnis

Welche Bilder entstehen in Ihrem Kopf, wenn Sie an das Wort sensibel denken? Nun, bei den meisten Menschen wird sensibel mit empfindlich übersetzt. Wer sensibel ist, der kann wenig ab, ist verletzlich und wenig belastbar. Doch diese Sicht ist falsch. Eigentlich müsste die Übersetzung für dieses Wort empfindsam sein. Denn Sensibilität oder gar Hochsensibilität ist keine Schwäche, sondern Stärke.

Sensible Menschen nehmen mehr wahr als die breite Masse – am Verhalten ihrer Mitmenschen, an der Natur, an Kunst und Kultur, an allem eben. Sie können feinste Nuancen erkennen und häufig wissen sie nach Sekunden, wie ein Mensch sich gerade fühlt. Hochsensible erkennen Signale, die den meisten Leuten verborgen bleiben. Na, wenn das mal keine Stärke ist – die grenzt ja schon an Superhelden-Fähigkeit. 😉

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Im Ernst: Sensible Menschen nehmen mehr wahr. Das bedeutet nicht, dass sie klüger oder besser sind als andere. Es bedeutet, dass ihr Nervensystem sehr fein gestrickt ist. Das ist auch der Grund, weshalb es hochsensiblen Menschen schwer fällt, Abstand zu den Emotionen anderer Menschen zu nehmen.

Hochsensible fühlen mit und im schlechtesten Falle leiden sie mit – dann übertragen sich Gefühle wie Verzweiflung, Angst und Wut auf sie. Es sei denn, sie haben gelernt, mit dieser besonderen Form der Empfindsamkeit umzugehen.

Die Herausforderungen der Hochsensiblen

Hochsensibilität ist eine Gabe und wie jede Gabe muss man verantwortungsvoll mit ihr umgehen. Schätzungsweise 15- 20 % der Deutschen sind hochsensibel. Das ist nicht gerade wenig und trotzdem wissen viele davon noch nicht einmal. Das liegt zum einen an der Geringschätzung der Sensibilität, zum anderen hat es damit zu tun, dass die Forschung auf diesem Gebiet noch relativ jung ist.

In den letzten zehn Jahren kamen mehr und mehr Erkenntnisse über dieses Phänomen zutage. Wissenschaftler fanden etwas heraus, was die Nachteile eines Lebens als hochsensibler Mensch ganz gut ausdrückt: Durch die erhöhte Wahrnehmung nehmen Hochsensible mehr Reize auf. Und die Folge davon ist eine schnellere Überlastung. Das kann sogar so weit gehen, dass das Ticken einer Uhr ihnen Schmerzen bereitet.

Liebevoller Umgang mit Empfindsamkeit

Wer hochsensibel ist, der braucht also viel mehr Ruhe und Entspannung, um die Reize der Umwelt zu verarbeiten. Deswegen ist es auch problematisch, bei der Eigenschaft hochsensibel von einer Diagnose zu sprechen. Sie sehen, ich reagiere auch bei Worten sensibel. 🙂

Hochsensibilität ist KEINE Krankheit. Klick um zu Tweeten

Empfindsame Menschen müssen die Verantwortung für sich und ihr Wohlergehen übernehmen. Das fängt mit dem richtigen Verhältnis von Reizen und Entspannung an und geht über gesunde Ernährung und sportlichen Ausgleich weiter. Natürlich sollten alle Menschen auf diese Dinge achten, aber Hochsensible noch viel mehr, da sie eben auch empfindlicher auf schlechtes Essen, mangelnde Bewegung und Schlafentzug reagieren.

Hochsensible sind entgegen der landläufigen Meinung (wann war die jemals richtig) enorm belastbar. Oft finden sich solche Menschen hocheffektiv arbeitend in Führungsetagen oder als kreative Schöpfer. Der Gedanke, dass sich unter Künstlern viele hochsensible Menschen befinden, liegt natürlich nahe – eine gesteigerte Wahrnehmung ist die stärkste Qualität, von der ein Künstler Gebrauch machen kann. Oder was glauben Sie, weshalb die großen Meisterwerke voller Scharfsinn und subtiler Beobachtungen sind?

Fazit

Das Thema Hochsensibilität wird auch in den kommenden Jahren aktuell bleiben und viele neue Erkenntnisse seitens der Forschung bringen. Doch schon jetzt ist klar: Hochsensibel ist in Deutschland jeder 4.-5. Bürger, weshalb man nicht wirklich von einer Minderheit sprechen kann. Daher ist es wichtig, dass empfindsame Menschen mit dem Selbstvertrauen durch das Leben gehen, eine Gabe und keine Last in sich zu tragen. Und das gelingt, indem sie die Verantwortung für ihr Leben übernehmen.

9 Kommentare Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Hallo Benjamin,

    das stimmt, Sensibilität wird oft mit schnell beleidigt sein und nichts vertragen können gleichgesetzt. Dabei geht die Sensibilität in beide Richtungen. Wie Du schreibst, nehmen hochsensible Menschen mehr wahr, sie spüren Nuancen, die anderen verborgen bleiben. Im Zusammenhang mit Sensibilität finde ich, dass Aufmerksamkeit ein wichtiger Punkt ist. Und leider fehlt es durch die Digitalisierung oft an Aufmerksamkeit und Sensibilität gegenüber seinen Mitmenschen. Ein wichtiges Thema heute.

    Viele Grüße
    Claudia

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    • Hallo Claudia,

      Aufmerksamkeit ist ein wichtiges Stichwort. Denn auch Hochsensible müssen lernen, ihre Aufmerksamkeit zu trainieren und zu bündeln. Reize können sehr schnell zur Ablenkung führen. Ich weiß nicht, ob die Digitalisierung im Zusammenhang damit steht.

      Eher denke ich sogar, dass Hochsensible dank der digitalen Entwicklung mehr Ausdrucksmöglichkeiten und Wege zur Interaktion bekommen als es ohne Social Media, Blogs etc. der Fall war. Was meinst du?

      Viele Grüße
      Benjamin

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      • Hallo Benjamin,

        ich stelle durch die Digitalisierung schon eine reduzierte Aufmerksamkeit fest. Man denke nur an die Leute, die wo sie gehen und stehen immer den Blick auf ihr Smartphone gerichtet haben und sich nebenher noch mit jemandem unterhalten. Wir sind definitiv einer Reizüberflutung, nicht nur in Form von Werbung sondern auch von Informationen, ausgesetzt, die wir täglich filtern müssen, um zu entscheiden, was für uns wichtig ist. Ein Bewusstsein für Offline-Zeiten, Auszeiten, Detoxikation ist nicht bei allen ausgeprägt. Meine Bemerkung war generell gemeint, aber wahrscheinlich nehmen Hochsensible dieses Gesamtbild eher wahr.

        Viele Grüße
        Claudia

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        • Hallo Claudia,

          Hochsensible haben auf jeden Fall stärker mit dieser Reizüberflutung zu kämpfen und müssen auch hier Verantwortung für sich übernehmen. Physiotherapeuten haben mittlerweile schon Patienten mit Schäden an der Halswirbelsäule, die vom ständigen Glotzen auf das Smartphone herrühren. Die Probleme werden also sogar physisch sichtbar.

          Dennoch denke ich, dass die Digitalisierung eine gute Entwicklung ist. So ist es einfach nicht wahr, dass junge Menschen nur Games auf ihren Smartphones zocken und keine längeren Artikel mehr lesen (so das gängige Klischee). Das Thema wäre eigentlich einen neuen Artikel wert … Danke für die Inspiration! 🙂

          Viele Grüße
          Benjamin

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  2. Servus!
    Ein tolles und wichtiges Thema. Danke, dass du es aufgegriffen hast. Ich gebe Claudia Recht, wenn sie sagt, dass es heute immer mehr an Sensibilität fehlt, bzw. versucht wird, sie uns abzutrainieren. Ich gehe bei meinen Kids ganz bewusst den anderen Weg. Ich lasse sie sensibel sein und diese Empfindungen auch spüren. Das tut uns allen gut, auch wenn es nicht immer einfach ist.

    Ganz liebe Grüße aus Wien
    Ivana

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    • Hallo Ivana,

      gern. Zum Glück gibt es mittlerweile Wissenschaftler, Autoren und Journalisten, die sich intensiver mit diesem Thema befassen. Ich finde es gut, dass neben der vermehrten Berichterstattung inzwischen auch Beratungskonzepte und Anlaufstellen für Hochsensible bzw. die Eltern von hochsensiblen Kindern existieren. Je eher man weiß, dass man „dazu gehört“, desto besser kann man damit umgehen.

      Viele liebe Grüße zurück aus Leipzig!
      Benjamin

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  3. Hallo Benjamin,
    Ein guter Beitrag. Ich denke, Sensibilität hat jeder Mensch mehr oder weniger. Einmal gibt es die angeborene Sensibilität. Frauen haben im Allgemeinen eine sehr hohe Wahrnehmungsfähigkeit, wenn es um den Schutz sowie das Leben von Kindern geht. Dafür setzen sie unbewusst all ihre Sinne ein.

    Bei einer anderen Gruppe werden Menschen von ganz speziellen Ereignissen oder Wahrnehmungen sensibilisiert. Sie reagieren dann meist anders als die meisten. Wer auf alles sensibel reagiert, lebt gefährlich. Der kann keine Ordnung in sein gedankliches Chaos bringen. Unser Gehirn liebt aber die Ordnung. Keine Ordnung bedeutet ein schlechtes Gefühl und im Extremfall bis hin zu Depressionen.

    In der Werbung, vor allem bei Konzernen und in der Politik wird schon seit Langem die Sensibilisierung für die Erfüllung eigener Interessen eingesetzt. Gut kann man das bei Wahlen nachvollziehen. Vor der Wahl werden die Bürger sensibilisiert, zur Wahl zu gehen und die Partei XYZ zu wählen, weil die Partei edle Ziele auf ihre Fahne geschrieben hat. Nach der Wahl kommt das große Vergessen und verklausulierte Bestimmungen specken die edlen Ziele ab. Das funktioniert alle Jahre wieder. Konzerne nutzen das für den Verkauf ihrer Produkte. Hier denke ich an die Marke BIO.

    Viele Grüße
    Peter

    Antworten

    • Hallo Peter,

      danke dir für deinen Kommentar und das Feedback.

      Deine Ausführungen haben mich auf eine weitere Bedeutung von Sensibilität hingewiesen, die dem Begriff Wachsamkeit nahe kommt. Ich glaube, wir müssen hier sehr vorsichtig mit der Wortwahl sein. Denn das von dir beschriebene Verhalten würde ich eher dem Bereich des instinktiven Handels zuordnen. Auch bin ich mir nicht sicher, ob nicht Männer und Frauen ähnliche „Alarmglocken“ in sich tragen und sie nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten schrillen.

      Meinst du mit Ordnung so etwas wie Strukturen? Falls ja, stimme ich dir zu, dass Hochsensible darauf achten müssen, die intensiven Eindrücke, Gedanken und Gefühle zu strukturieren. Sie brauchen genügend Zeit und Raum, um diese Komplexität zu verarbeiten und aus ihr zu schöpfen. Entsprechend wichtig ist es auch, wie von dir beschrieben, sortieren zu können: Wo kann ich sensibel sein, wo ist es nicht angebracht oder sogar gefährlich?

      Bei der von dir beschriebenen politischen und wirtschaftlichen Sicht würde ich von Triggern sprechen, die bewusst angesteuert werden, um ein bestimmtes Verhalten der Menschen auszulösen bzw. Assoziationen zu wecken, was meisten unbewusst und manipulativ abläuft. Werde ich hingegen für ein Thema sensibilisiert, dann schaue ich bewusster darauf.

      Viele Grüße
      Benjamin

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  4. Hallo Benjamin,

    wenn wir über Sensibilität reden, sprechen wir über Gefühle. Gefühle, die wir über unseren Tastsinn oder über unsere Psyche wahrnehmen. Wenn wir im Kopf gedankliches Chaos haben, fühlen wir uns unwohl. Erst wenn wir das Chaos strukturell geordnet haben, finden wir Ruhe. Wobei wir uns die meiste Zeit im Leben in einer gewissen Unruhe befinden. Wir können daraus lernen. Positive Gefühle wie sie durch Freude oder Sonnenschein verursacht werden, blenden die Unruhe zeitweise aus. Deswegen sind wir dafür besonders einfühlsam. Wir reagieren sensibel aber aufgeschlossen. Diese positiven Gefühle werden in der Werbung erfolgreich als Schalter verwendet.

    Sicherlich wird die erhöhte Wachsamkeit der Frauen und besonders der Mütter instinktiv hervorgerufen. Dieser Vorgang schaltet Gefühle ein, die die Wachsamkeit erhöhen und sensibilisieren, vor allem bei Müttern. Männer, Kinder und Nichtmütter werden über das positive Gefühl des sogenannten Kindchenschemas für kleine Kinder sensibilisiert. Hier wird Sensibilität nur durch einen anderen Schalter hervorgerufen.

    Und dann sehe ich die Eigensensibilität, bei der unsere Gefühle durch persönliche Ereignisse eine besondere Wachsamkeit hervorrufen. Das können positive, negative oder auf irgendeine Weise sensibilisierte Themen sein, wie zum Beispiel die Marke BIO, bei mir. Die Marke ist zu intransparent und zu verwaschen. Sie löst bei mir ein positives Gefühl einerseits, aber anderseits auch gedankliche Schmerzen aus. Sensibel zu reagieren oder jemanden zu sensibilisieren erleben wir täglich. Ein endloses aber auch interessantes Thema zum diskutieren.

    Viele Grüße
    Peter

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